Kalte Schnauze – Hundeblog

„Wenn wir hier noch länger sitzen, dann können wir den Blättern dabei zusehen, wie sie sich verfärben“, sagte ich zu meiner Freundin Patricia. Sie lachte herzhaft. Wir hatten uns irgendwo zwischen Kirchdaun und Remagen mitten auf einen, mit Gras überzogenen, Feldweg hingesetzt.

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Hihi, das Weitwinkel verzerrt Hund und Mensch ganz schön. Dafür sind alle auf dem Foto. 😉

Mit einem Butterbrot in der Hand und den Hunden dicht neben uns genossen wir den herrlichen Weitblick. Dicke weiße Wolken zogen über unsere Köpfe hinweg und sorgten gemeinsam mit der Herbstsonne für tolle Bilder am blauen Himmel.

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Wir waren erst sechs Kilometer gewandert. 6000 Meter, die ich schon jetzt vor meinem inneren Auge Revue passieren ließ. Es ist schon verrückt, mehr als 100 Kilometer mit dem Auto zurückzulegen, um wandern zu gehen. Und dann war der Parkplatz am Apollinarisberg auch noch total überfüllt. Das hätten wir uns bei dem Kaiserwetter und noch dazu an einem Sonntag auch denken können. Nirgends passte mein roter Flitzer mehr dazwischen.

Fündig geworden sind wir letzten Endes an einem Wanderparkplatz an der Waldburgstraße in Remagen. Unmittelbar in der Nähe eines Jüdischen Friedhofs und dem Lützelbachhof – einem ziemlich gepflegten Anwesen mit großen Pferdekoppeln.

Ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Es war so typisch für uns. Mal wieder sind wir eine Tour entgegen der empfohlenen Richtung gelaufen. Aber immerhin diesmal mit dem Uhrzeigersinn. „Sind wir eigentlich schon an der Straußenfarm vorbeigekommen“, fragte mich Patricia und holte mich ins Hier und Jetzt zurück. „Und der Golfplatz ist mir auch nicht aufgefallen“.

„Mir auch nicht“, antwortete ich ihr. „Hauptsache wir haben den Eifelblick nicht verpasst.“
„Wie? Da sind wir schon dran vorbei?“
„Ja, ganz am Anfang. Wo der schöne alte Birnbaum stand. Da hast du auch ein Foto von gemacht.“

Die Wald- und Feldwege waren bisher echt schön. Teilweise pfadähnlich und durch die vielen verschiedenen Laub- und Nadelbäume sowie Sträucher und Pilze am Wegrand sehr abwechslungsreich. Manchmal mussten wir sogar über ein paar Baumstämme klettern, die über dem Weg lagen. Die Hunde fanden das super. Kriechen, springen und krabbeln. Das ist generell ihr Ding. Und die lokale Fach- und Klatschpresse lesen sowieso.

Was Cabo und Scotty wohl von den anderen Hunden erfahren haben, die hier vor ihnen gelaufen sind, um Pee-Mails zu hinterlassen? Manchmal wüsste ich das wirklich gerne. Dann würde ich davon auf meinem Blog berichten. Quasi als Extra-Leckerli obendrauf.

Auf einmal wurde es kühler. Die Sonne hatte Mühe, sich zwischen den dicken Wolken zu behaupten.
„Lass uns mal weitergehen“, sagte ich zu Patricia. „Wir haben noch sieben Kilometer vor uns.“

Über offenes Gelände und mit einer nach wie vor sehr schönen Weitsicht näherten wir uns einer kleinen Holzhütte. „Hier hätten wir auch unsere Pause machen“, merkte Patricia an. „Stimmt“, antwortete ich ihr. „Dafür können unsere Hunde aber mal für ein Foto herhalten, bevor es weiter nach Calmuth geht.“

„Hast du gewusst, dass es in Calmuth ein Schloss gibt, in dem in den 50er Jahren die Wochenschau produziert wurde?“, fragte mich meine Freundin.
„Nein, das habe ich nicht gewusst. Woher hast du die Info?“
„Die habe ich von der Internetseite, die du mir via Facebook geschickt hattest. Da stand auch drin, dass in Calmuth zahlreiche Filme von Laurel und Hardy synchronisiert wurden“.

Vielleicht sollte ich demnächst die Tourenbeschreibungen auch mal gründlicher durchlesen, wenn ich die Wanderungen schon vorschlage. Na ja…

An einem Weiher, der vollkommen mit Entengrütze überzogen war, machten wir noch mal eine kleine Pause. Wir lauschten den Eicheln, die durch den Wind zahlreich von den Bäumen fielen und geräuschvoll im Wasser verschwanden. Erfolglos versuchte meine Freundin das Abtauchen der Baumfrüchte mit ihrer Kamera festzuhalten. Die Hunde waren ebenfalls fasziniert von dem Spektakel. Bei jedem Plöpp verdrehte mein Spanier den Kopf. Das sah zu süß aus.

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„Sag mal, müsste nicht gleich der Rhein und die Apollinaris Kirche kommen?“ will ich von Patricia wissen. Sie guckte auf den Ausdruck, den sie mitgenommen hatte.
„Ja, es dürfte nicht mehr weit sein.“

Wir gingen weiter. Und da war sie auf einmal. Majestätisch thronte sie vor uns. Am Hang des Apollinarisberges, der den Anschein machte, nur für sie entstanden zu sein. „So, jetzt glänze noch mal mit deinem Wissen“, sagte ich Patricia. Sie ließ sich nicht ein zweites Mal bitten und las aus ihrem Ausdruck vor:

„Die im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil erbaute Apollinariskirche – umgeben von einem eindrucksvollen Ensemble an Klostergebäuden, Monumenten und Gartenanlagen – liegt im Hang des Apollinarisberges. Die ersten kirchlichen Bauten an dieser Stelle werden schon im 9. Jahrhundert vermutet. Seit dem 13. Jahrhundert befindet sich eine Reliquie des heiligen Apollinaris auf dem Berg. In der Krypta der jetzigen Kirche steht ein Sarkophag aus dem 14. Jahrhundert, der die Hauptreliquie enthält.“

Und während Patricia vorlas, bemerkte ich den Heiligen Franziskus hinter mir. Der arme Kerl hatte im Laufe der Jahre etwas Federn lassen müssen. Seine Nase war nicht mehr ganz vollständig. Aber wer weiß, wie ich in dem Alter mal aussehen werde.

Wir gingen weiter, um das eng umschlungene Pärchen an diesem Aussichtspunkt nicht weiter in ihrer Zweisamkeit zu stören. Franziskus wird es schon richten und auf sie aufpassen.

Eine ziemlich steile Treppe tat sich vor uns auf, die an der Apollinaris Kirche endete. Cabo hatte einige Probleme mit den kurzen Stufen – nichts für lange Hunde. Unten angekommen, machte ich direkt ein Foto von der Grotte nebst Kirche. Reingehen wollte ich nicht. Mir reichte ihre imposante äußere Erscheinung.

Und dann war da noch der Rhein. 33 Jahre alt musste ich werden, damit ich als Rheinländerin meine ersten Fotos von Gevatter Rhein machen konnte. Verrückt.

Nur der Verkehrslärm störte mich extrem. Er machte mir diesen tollen Blick etwas kaputt, den ich gerne in Ruhe genossen hätte.

Wir gingen weiter und hatten auf dem Weg zum Remagener Tierheim den ersten richtigen Anstieg vor uns. „Da lobe ich mir den flachen Niederrhein“, stöhnte Patricia. Und auch ich hatte mit der Luft zu kämpfen.

Auf dem Hochplateau angekommen, konnten wir noch einmal auf den Rhein zurückblicken. Sogar das Siebengebirge war in der Ferne zu erkennen. Schade, dass ich nur das Weitwinkelobjektiv dabei hatte. Zu gerne hätte ich dieses Bild rangezoomt und auf der Speicherkarte festgehalten.

„Gut, dass wir uns für die Apollinaris-Schleife entschieden haben und nicht die 17-Kilometer-Tour mit den vielen Höhenmetern angegangen sind“, meinte meine Freundin schließlich zu mir. Mittlerweile waren wir mehr als 5 Stunden unterwegs. 4 waren für diese Tour angegeben. Fotos und Pausen brauchen halt Zeit.

Und da stand er auf einmal wieder vor uns, der rote Flitzer. Geschmückt mit ein paar Eichenblättern.
„Sag mal, hat es sich für dich gelohnt, so weit für diese Wanderung gefahren zu sein“, will ich von Patricia wissen, als wir wieder im Wagen sitzen.
„Ja, ich finde schon.“
„Ich auch“, sagte ich und startete den Motor.

Übrigens: Weitere Eindrücke von der Apollinaris-Schleife findet ihr bei Elke von Fotografische Reisen und Wanderungen und  bei Unterwegs mit Hunden – Wanderungen mit Dobermännern. Und hier geht’s zur Tourenbeschreibung.

8 CommentsLeave a comment

  • Hallo Silvana

    Wieder einmal ein toller Wanderbericht und Fotos von dir 🙂 Nur was bedeutet denn der Satz, mit deinen ersten Fotos von Gevatter Rhein? Du warst doch sicher nicht zum ersten Mal am Rhein – dann wäre ich sicher ein wenig schockiert 😉 😀

    Liebe Grüße, Klaus

    • Hi Klaus,
      lieben Dank für dein Kompliment! Ich kann dich beruhigen: Natürlich war ich schon des Öfteren am Rhein. Tatsächlich habe ich aber jetzt zum ersten Mal Fotos vom ihm gemacht. Klingt komisch, ist aber wirklich so. ?Es hat mich selbst schockiert als ich es festgestellt habe.

      Liebe Grüße
      Silvana

  • Ein toller Bericht. Mal was ganz anderes von der Schreibart – gefällt mir sehr und irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, als wäre ich mitgewandert 😉

    Liebste Grüße (und die Fotos sind natürlich auch wieder super ;-))

    • Danke dir, Ricarda!
      Irgendwie hat es sich ganz spontan ergeben, dass ich diesmal anders über eine Wanderung geschrieben habe. Ich glaube, die Art gefällt mir selbst ganz gut. Dein Feedback bestärkt mich jetzt zumindest, an dieser Schreibweise festzuhalten und sie auszubauen. Mal sehen, ob’s klappt. 🙂

      Liebe Grüße zurück!
      Silvana

  • Hi Silvana, dein Bericht von unserer Tour gefällt mir sehr!! Mit viel Witz und Sinn für’s Detail zu Papier gebracht. Beim Lesen musste ich ganz herzlich grinsen!! Und deine Fotos sind wieder einmal spitze!! Die Tour hat sich in jedweder Beziehung gelohnt und somit auch die Anfahrt.

    • Freut, dass dir der Bericht gefällt. Immerhin warst du ja mit von der Partie und kannst es am besten beurteilen was ich auf den Bildschirm gebracht habe. 🙂
      Es hat aber auch wirklich alles gepasst. Schöner hätte ein Wandereinstieg nach so einer langen Pause nicht sein können.

      LG Silvana

  • Alles richtig gemacht würde ich sagen ?! Das tolle Wetter prima genutzt, schöne Fotos mitgebracht und der Blick auf „Vater Rhein“ ist immer wieder beeindruckend!

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