Kalte Schnauze – Hundeblog

Andrea Obele von „MeinWanderhund“ hat mich zur Blogparade „Wanderglück auf vier Pfoten“ eingeladen und mich gefragt, ob ich Bock hätte, über mein schönstes Wandererlebnis mit Hund zu berichten.

Nichts leichter als das. Oder doch nicht?

Tatsächlich sitze ich hier und starre auf ein leeres Dokument auf das keine Buchstaben wollen. Für mich ist jede Wanderung mit Cabo ein schönes Erlebnis. Ich schätze die Zeit, die ich mit ihm in der Natur genießen kann. Ich liebe es, mit ihm unbekannte Wege zu erkunden und bekannte Pfade neu zu entdecken.

Während ich das tippe, erinnere ich mich an Zeiten, die mit Cabo draußen nicht immer so unbeschwert waren. Zeiten, in denen ich meinen Hund gern auf den Mond geschossen hätte. Zeiten, in denen Cabo meine Gesellschaft egal war. Wir hätten beide alleine losziehen können, das Ergebnis wäre das gleiche gewesen. Ständig ist er mir zu anderen Hunden gelaufen, egal wie weit sie von uns entfernt waren. Jagen machte so viel mehr Spaß, als sich mit mir zu beschäftigen. Ständig entwickelte er neue Strategien, um mich auszutricksen. „Wie alt ist ihr Hund? Zwei Jahre!? Dann ist noch nicht alles verloren“, waren Sätze, die ich nicht hören wollte, aber oft gesagt bekam.

Als ich mir nicht mehr zu helfen wusste, blieb nur die Leine, von der ich Cabo vorerst nicht losmachte. Der Frust auf beiden Seiten war groß, und mein Spanier entwickelte sich zum Leinen-Pöbler mit Auszeichnung. Ich mied Wege auf denen ich ganz sicher Hunden begegnen würde und wurde noch vorsichtiger mit Cabo. Genau das, was mein Hund nicht brauchte.

Ein Tag, der alles veränderte …

Zum Glück hatte ich Freunde. Freunde, die meinen Hund anders kannten – vor der Pubertät. Die Potenzial in ihm sahen, das ich nicht sehen wollte oder nicht konnte. Diese Freunde sind mit Cabo und mir in Urlaub gefahren. Ins Allgäu nach Bad Hindelang. Eine Woche wandern in den Bergen. Ein Tag, der alles veränderte …

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Blick von der Hornbahn über Hindelang im Allgäu 2010. Die Bildquali ist zum Schießen. 🙂

Mit der Hornbahn Hindelang ging es hinauf zur Bergstation auf 1320 Meter. So der Plan meiner Freundin. Ich erklärte sie für verrückt. Nicht lautstark. Innerlich verfluchte ich sie jedoch. Wie zur Hölle sollte ich den Spanier überzeugen, mit mir in eine schwebende Gondel zu steigen!? Diesen Hund, der mir noch nicht mal beim Verlassen des Hauses zutraute, die Lage im Griff zu haben.

Ich hatte keine Wahl. Alles ging so schnell. Bevor ich protestieren konnte, kam schon die Gondel. Sie öffnete ihren gierigen Schlund gerade so weit, dass wir hineinspringen konnten. Cabo, meine Freundin, Scotty – ihr Hund, ich und noch zwei andere Wanderer. Mein Herz setzte für einen Moment aus als die Schiebetüren mit einem geräuschvollen Plöpp zuschlugen. Mit Schwung beförderte uns die Hornbahn aus der Talstation. Mein Magen überlegte kurz, das Frühstück wieder die Speiseröhre hochzuschicken. Zum Glück saß ich mit dem Rücken zum Tal. Alles, was mein Magen von sich gab, war ein leises Grummeln.

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Scotty (links) und Cabo sitzen entspannt mit uns und anderen Wanderern in der Gondel der Hornbahn.

Und Cabo? Der saß zwischen meinen Beinen, neben seinem Hundekumpel Scotty, und flirtete mit seiner Sitznachbarin. Die reagierte sofort auf seine bernsteinfarbenen Augen: „Mei, du bist ja a ganz a Liaba!“

Die Frau hatte ihre Worte noch nicht ganz ausgesprochen als mir schlagartig bewusst wurde, dass mein Hund mir blind vertraut hatte. Er war wie selbstverständlich mit mir in die Gondel gesprungen. Er hatte mein Handeln nicht infrage gestellt, weil er mir vertraute. Und genau das war unser Problem: Cabo verließ sich auf mich, ich erkannte das nicht und traute ihm nichts zu.

Die Fahrt mit der Hornbahn Hindelang war mein Weg zum Wanderglück

Kurz stiegen mir Tränen in die Augen, die ich wegblinzelte. Niemand in der kleinen Gondel sollte merken, welches Gefühlschaos in mir tobte. Cabo am allerwenigsten. Es war nicht mein Mitleid, das er verdiente. Er sollte den Stolz spüren, den ich für ihn empfand. Stolz für sein Vertrauen, Stolz für seinen Mut, Stolz für seine Lässigkeit.

Die Fahrt mit der Hornbahn Hindelang veränderte unsere Beziehung. Sie öffnete mir die Augen. Ich konnte meinen Hund so sehen, wie er wirklich war – a ganz a Liaba!

Wir meisterten im Urlaub noch andere Abendeuter. Immer wieder schenkte mir Cabo sein Vertrauen und ich tat es ihm gleich. Wandern wurde zu unserem gemeinsamen neuen Hobby.

Unser Schlüsselerlebnis liegt sechs Jahre zurück. Wir wandern noch immer – viele unserer Touren haben Platz in diesem Blog gefunden und zeugen von unserem Wanderglück auf vier Pfoten. Ich starre nicht mehr auf ein leeres Dokument, sondern schaue auf unsere ganz persönliche Geschichte: Wie Cabo und ich zum Wandern kamen.

6 CommentsLeave a comment

  • Liebe Silvana,
    ich muss zugeben, beim Lesen deines Artikels musste ich auch eine Träne verdrücken. Die Erkenntnis, dass Cabo dir blind vertraut und deine eigenen Zweifel euch im Weg gestanden sind… boah, genau das habe ich auch erkannt in meiner Beziehung zu Bobby. Und du kannst es dir denken: Unsere Mehrtageswanderung am Meraner Höhenweg war der Schlüssel zu dieser Erkenntnis. Und ich fühle mich unglaublich glücklich! Ganz toller persönlicher Bericht und trifft bei mir gerade voll ins Herz.

    Danke und liebe Grüße von Andrea

    • Andrea, so ein schöner Kommentar!
      Es berührt mich sehr, dass du genau das Gleiche mit Bobby auf deiner Mehrtageswanderung empfunden hast. Ich habe jeden Seiten-Post von dir auf Facebook entgegengefiebert, freue mich über jeden Blogbeitrag zum Thema Meraner Höhenweg, weil ich ganz sicher war und bin, dass euch diese Reise zusammengeschweißt hat. Natürlich freue ich mich auch, dass dich mein Bericht voll ins Herz trifft. Ein schöneres Kompliment kannst du mir nicht machen.

      Liebe Grüße
      Silvana

  • Hallo Silvana,

    herrlicher Artikel. Er zeigt, dass es oft die kleinen Momente sind, die etwas erkennen lassen und eine Veränderung bewirken. Ich habe drei Hunde aus dem Tierschutz und eine davon ist ein äußerst kapriziöses Hundemädchen. Als sie zu uns kam, wollte sie lange Zeit scheinbar nichts von uns wissen. Bis eines Tages eine für sie bedrohliche Situation entstand – und sie Schutz bei uns suchte. Die Art, wie sich der kleine Hund an uns wandte, zeigte deutlich, dass sie uns schon längst als „Fels in der Brandung“ wahrnahm, nur wir hatten das nicht erkannt. An diese Situation hat mich Dein bewegender Artikel soeben erinnert – Danke dafür!

    LG

    Martina

    • Liebe Martina,
      vielen Dank für dein schönes Feedback und das Teilen deiner Geschichte. Hunde sind großartig darin, uns zu zeigen, was in ihren steckt. Wir müssen es dann nur noch sehen.

      LG Silvana

  • Ohhh, sieht das schön aus wo ihr da gewesen seid.
    Ich bin zwar eher die Anti-Wanderin, aber wenn ich mal auf der Suche nach einem Wanderausflug sein sollte, ist dein Blog meine Inspiration pur.
    Hoffe ich schaffe es dieses Jahr mal eine deiner Empfehlungen zu testen.
    GLG Danni

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