Kalte Schnauze – Hundeblog

Der Kalte Schnauze Jahresrückblick 2015

Cabo-Forggensee-Dezember-2015-3478

BÄM! Da ist es schon wieder vorbei, das Jahr 2015. In wenigen Stunden werden wir uns wieder zuprosten, auf die Schulter klopfen, in den Armen liegen und uns auf ein spannendes und ereignisreiches 2016 freuen. Die einen werden strickt an ihren Vorsätzen arbeiten und ihre Pläne umsetzen, die anderen lassen das neue Jahr entspannt auf sich zukommen und überlassen der Zeit, was sie aus den nächsten 365 Tagen macht. Die einen so, die anderen so.

Achtung Ironie: „348,2 Fehler, die du 2016 unbedingt vermeiden solltest“

Es gibt ihn nicht, den idealen Weg, das neue Jahr anzugehen. Auch wenn viele Lifestyle-Hamsterrad-Blog-Gurus etwas anderes behaupten. Wenn es nach ihnen ginge, dann müsste jeder noch schnell seine Ziele für 2016 niederschreiben – und die möglichst detailverliebt, sonst wird’s nichts mit dem Ausbruch aus dem Hamsterrad und einem besseren Leben. Tut ihr das nicht, seid ihr dem Untergang geweiht.

Überhaupt war das Internet 2015 von Dos and Don’ts übersäht. Das könnt ihr überall nachlesen. Nicht nur, was die guten Tipps für 2016 betrifft. Das Internet ist voll von Ratschlägen wie „348,2 Fehler, die du 2016 unbedingt vermeiden solltest“, „Warum du um 4.30 Uhr aufstehen musst, um produktiver zu sein“, „5 unscheinbare Kleinigkeiten, die deinem Leben mehr Würze geben“, 6 Fragen, um für deine Jahresplanung den Fokus zu finden: im Business und privat“ „ 7 Dinge, die du mit 35 erreicht haben solltest“, Warum du Blogartikel mit mindestens 1.000 Wörtern schreiben musst“.

Ich könnte diese Liste unendlich weiterführen und halte fest, dass es anscheinend ohne Zahlen und den Zeigefinger zu erheben nicht mehr geht.

Gleichzeitig frage ich mich, was meine Eltern und Großeltern gemacht haben, als es diesen großen Wissens- bzw. Schlaumeierpool im World Wide Web noch nicht gab. Ich behaupte, ihnen ging es besser als uns, weil sie über ein gesundes Bauchgefühl und über einen klaren Menschenverstand verfügt haben. Mal davon abgesehen, dass sie nicht so viel Zeit damit verschwendeten, im Netz nach vermeintlich hilfreichen Tipps zu suchen. Sie haben einfach gemacht, und wenn etwas in die Hose ging, wurde was Neues ausprobiert. Learning by doing nannte man das.

Lasst dich nicht beirren und geh deinen Weg

Was nützt es mir, keine Fehler zu begehen? Wie soll ich denn etwas lernen, wenn ich nicht auch mal etwas falsch machen darf? Und warum sollte ich um 4.30 Uhr aufstehen, um produktiver zu sein, wenn diese Zeit so gar nicht meinem Biorhythmus entspricht? Klar, wenn ich nur noch Blogartikel mit mindestens 1.000 Wörtern schreiben darf, dann muss die Extra-Zeit, die ich dafür benötige, irgendwo her kommen. Und wer bitte soll das alles lesen und vor allem wann?!

Ich werde nächstes Jahr 35 Jahre alt und kann von den 7 Dingen, die ich in dem Alter erreicht haben soll, nur einen Bruchteil abhaken. Und jetzt? Bin ich so jung etwa schon gescheitert? Muss ich mich jetzt schlecht und wertlos fühlen? Hinzu kommt, dass ich noch nie eine Jahresplanung gemacht habe. „Um Gottes Willen! Jetzt hat sie den Pakt mit dem Teufel geschlossen“, werden viele denken. Tja, was soll ich sagen: Ich komme auch ohne diese Jahresplanung zurecht. Sehr gut sogar. Außerdem kommt sowieso alles anders, als man denkt.

Und überhaupt: Warum sollten mir die 5 empfohlenen, unscheinbaren Kleinigkeiten mein Leben mehr Würze geben? Vielleicht mag ich’s leicht gewürzt und weniger scharf.

Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand

Was ich aus dem Schlaumeierpool mitgenommen habe, ist, dass es uns anscheinend an Orientierung und Lösungen mangelt. Denn sonst wäre das Internet nicht voll von diesen „Du-musst-und-sollst-Artikeln“, die hunderttausendfach gelesen, geliked und geteilt werden.

Letzten Endes ist es doch so, dass ich mir nur selbst helfen kann, denn ich weiß, was das Beste für mich ist – oder muss es zumindest herausfinden. Sei es, was meine Selbstständigkeit, Verhandlungen, die Bloggerei oder den Alltag mit meinem Hund betrifft. Antworten finde ich nicht im Internet, sondern bei mir. Indem ich reflektiere, in mich hinein höre auch mal meinem Bauchgefühl nachgebe und meinen gesunden Menschenverstand einsetze. So schön altmodisch.

Everbody’s Darling is everbody’s Fool

Für mich war 2015 ein sehr intensives und vor allem lehrreiches Jahr – beruflich wie privat. Ich musste des Öfteren, entgegen meiner Natur, auf den Tisch hauen und Klartext reden. Auch wenn die Ellenbogenmentalität nicht meine ist und mir anfangs viel Energie geraubt hat, habe ich gelernt, sie mir in manchen Lebenssituationen zu Nutzen zu machen. Erfahrungen – egal ob gute oder schlechte – sind schließlich dazu da, dass man sie macht. Im wahren Leben, nicht im Internet, indem ich den 100. Artikel lese über 2, 3, 4, 5 Dinge, die ich muss oder soll.

Meine Erfahrungen 2015 haben mich gelehrt, den Mund öfter aufzumachen, mir nicht mehr so viel gefallen zu lassen, Stolz auf meine Arbeit zu sein, mein Ding zu machen ohne schlechtes Gewissen zu haben und anzuecken. Denn: Everbody’s Darling is everbody’s Fool!

Cabo-Tiefschnee_2014-8377

Danke für die schönen Momente in 2015

Wenn ich an die letzten 365 Tage zurückdenke, dann auch an jene, die ich mit meinen Freunden an schönen Orten wie der Vulkaneifel, der Uckermark, der Nordsee oder dem Allgäu verbracht habe – auch wenn da nicht immer alles harmonisch war.

Ich habe in diesem Jahr aber auch viele schöne Artikel im Internet gelesen, die mich unterhalten und die mir Lust auf mehr gemacht haben – ganz ohne müssen und sollen. 2016 lese ich u.a. bei diesen Personen gerne weiter:

Ein dickes DANKE geht auch an meine Eltern, die mir 2015 vor allem eine große emotionale Stütze waren. Ich hoffe, ich muss euer Tschaka im kommenden Jahr nicht wieder so häufig in Anspruch nehmen. Schließlich habt ihr mit Ende 50 und Mitte 60 auch mal etwas Ruhe verdient. 😉

Cabo, dir danke ich dafür, dass du mich nimmst, wie ich bin, auch wenn das in deiner Natur liegt. Von dir lerne ich jeden Tag. Vor allem: Wenn’s mal kracht, ist es für dich im nächsten Moment vergeben und vergessen. Davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Denn es macht so vieles leichter.

Cabo-Tiefschnee_2014-8385

Meine Wünsche für 2016

Ich wünsche mir mehr Gelassenheit und Muße und weniger müssen und sollen.

Cabo wird im Februar 8 Jahre alt. Dieses Alter werde ich mit ihm genießen, draußen in der Natur, beim Gassi, beim Wandern oder Fotografieren, mit meiner Familie und mit seinen und meinen Freunden.

Ich werde meine Zeit nicht mehr als nötig Online verplempern und mich auch nicht mehr so viel über Dinge ärgern, die ich eh nicht ändern kann und mich weniger rechtfertigen, ohne schlechtes Gewissen zu haben. Ich gebe wie immer mein Bestes, ganz ohne Jahresplanung. Und wenn ich die 348,2 Fehler begehe, ist das halt so.

Prost und einen guten Rutsch euch allen!

13 CommentsLeave a comment

  • Liebe Silvana,

    vielen Dank für deine klaren Worte! Am Silvestermorgen ist es besonders gut so was zu lesen, da der Druck, 2016 auf eine bestimmte Art anzugehen, aus allen Richtungen kommt. Du hast dich davon freigeschrieben. Ich habe mit jedem Satz ein bissle mehr Luft bekommen 😉 und kann jetzt beruhigter ins neue Jahr gehen. So ermutigend, wenn man Gleichgesinnte trifft! Lass uns immer wieder daran erinnern, mutig und klar unseren eigenen (!) Weg zu gehen.

    Ich wünsche dir von Herzen einen guten Start ins neue Jahr!

    Alles Liebe Anna

    • Liebe Anna, das stimmt: Ich habe mich von dem Druck, der auch viel von mir selbst kommt, freigeschrieben. Umso mehr freut es mich aber, dass dir meine Worte so gut gefallen haben und ich bei dir etwas erreichen konnte. So kann es gerne weitergehen!

      Auch ich wünsche dir von Herzen einen guten Start für 2016 und schicke einen Drücker an deinen süßen Cosmo!

      Herzliche Grüße
      Silvana

  • Liebe Silvana,

    dazu sage ich nur, alles richtig gemacht, alles richtig erkannt.

    Was die 348,2 Fehler betrifft, ich nenne das Lebenserfahrung, hört sich doch viel chicer an.

    Dir und Deiner Familie wünsche ich einen gesunden und glücklichen Start in das neue Jahr 2016.

    Ganz herzlich
    Dein
    Matthias

    • Danke, Matthias! Du hast recht: Lebenserfahrung ist ein gutes Synonym. Ich wünsche dir, Sascha und Schnitzel viele schöne Momente in 2016. Davon werdet ihr sicherlich viele haben.

      Herzliche Grüße zurück!
      Silvana

  • Liebe Silvana, manche Menschen müssen viel älter werden als du um endlich zu diesen Erkenntnissen zu kommen. Eigentlich ist es ganz einfach und vor allem wohltuend, entspannter zu sein. Das gelingt natürlich nicht immer, aber man kann das ein stückweit trainieren. Das „Bauchgefühl“ ist in meinem bisherigen Leben immer ein ziemlich guter Richtungsweiser gewesen. Wohl dem, der es noch spürt!! Fehler zu machen sind ganz wichtige Erfahrungen, stell‘ dir mal bloß vor die Menschen machten keine Fehler. Mir helfen immer folgende Sätze, die ich einem lesenswerten Buch entnommen habe: “ alles geht zu Ende “ also die schönen aber auch die schlechten Momente und “ die Vergangenheit ist tot, lebe die Gegenwart, die Zukunft ist eine Illusion „. Danke für deinen nachdenklichen Jahresrückblick und auch von uns guten Rutsch!!

    • Ich danke dir, Patricia, für diese wunderbaren Sätze aus deinem Buch. Die werde ich mir mal aufschreiben und bei Bedarf immer wieder hervorholen.

      Liebe Grüße
      Silvana

  • Liebe Silvana,
    das hast du wie immer sehr gut geschrieben. Vorsätze habe ich für 2016 keine. Was ich ändern muss und will, stand schon vorher fest. Leider lässt sich das, bedingt durch verschiedenste Zwänge, nicht immer sofort und kompromisslos umsetzen – aber ich arbeite daran.
    Ich wünsche dir, Cabo und deinen Eltern ein gesundes und erfolgreiches 2016 🍀
    Liebe Grüße
    Guddy

    • Danke dir, Guddy! Ich wünsche dir für 2016, dass du deinem Ziel, trotz verschiedener Zwänge, immer einen Schritt näher kommst. Ich schätze dich aber so ein, dass dir das gelingen wird. Du musst nur Geduld haben – auch wenn’s nicht immer leicht fällt.

      Liebe Grüße
      Silvana

  • Hallo Silvana, der Artikel spricht mir aus der Seele! Ich habe mich ebenfalls dabei erwischt, wie ich krampfhaft angefangen habe, einen guten Vorsatz fürs neue Jahr zu finden. Das Ergebnis waren Kopfschmerzen statt gutes Bauchgefühl. Habe auch einen Artikel zu diesem Thema geschrieben. Das was du schreibst, gibt Mut seinen eigenen Weg zu gehen! Danke und ein fröhliches Jahr 2016 ohne to-do-Listen 😉 wünscht: Andrea

  • Liebe Silvana,

    Ich wünsche dir für das Jahr 2016 alles erdenklich Gute.

    Viele Deiner Gedanken kann ich so gut nachfühlen. Wie oft haben wir das Gefühl fremdbestimmt zu sein und das ist kein gutes Gefühl.

    Wir haben nur dieses eine Leben, leben wir es doch so, dass wir später im Rückblick Eckdaten haben, an denen wir Freude haben, wenn wir uns an sie erinnern.

    Für mich sind das meine Kinder, meine Enkelkinder, aber auch meine Partner, Freundinnen, mit denen ich glückliche Momente erlebte, meinen lieben Spike und vor ihm Max den Schnauzermix. Die Katzen, die ich in meinem Haushalt hatte.
    In den letzten Jahren unglaublich schöne Wanderungen und Bilder, die mich erinnern.

    Tja, wo sind Beruf, Erfolge, Auto, Haus etc., sind das die Dinge die glücklich machen?
    Nein, sie sind es nicht! Wohl bin ich froh, dass ich meinen Job habe und damit ein sicheres Einkommen, dass mir so manches Erleben möglich macht.

    Ich sitze hier in meinem Pensionszimmer, habe seit einigen Tagen nicht richtig warm gegessen, weil ich zu bequem bin am Abend noch raus zu gehen. Ich bin glücklich, sowas von. Das ist auf meinem Mist gewachsen, die Idee, die Art der Unterkunft und das spartanische Leben, das mit Blick auf viele andere Menschen so spartanisch nicht ist. Für viele wiederum wäre es undenkbar das als Urlaub zu empfinden.

    Ach ich könnte Stunden weiter schreiben, vielleicht in meinem eigenen Blog, hi hi
    Entschuldige, jetzt habe ich es geschrieben, es wird nun auch gepostet.

    Liebe Silvana, ich kenne Dich nicht und doch irgendwie recht gut, habe ich das Gefühl.

    Hab einen wunderbaren Abend und ein Jahr 2016, dass dir viel von dem bringt, was du gerne hättest.

    Elke und Spike

    • Liebe Elke, herzlichen Dank für deinen wunderbaren und vor allem, wie ich finde, sehr persönlichen Kommentar. Ich mag das Spartanische ab und zu auch sehr gerne, weil es mich erdet und mir zeigt, dass es auch ohne diesen Überfluss geht. Darum mag ich das Camping mit Cabo und meinen Freunden so gerne. Da brauchen wir auch nicht viel und sind den ganzen Tag an der frischen Luft.

      Ich wünsche dir einen herrlichen Neujahrstag mit Spike und für 2016 viele schöne Momente!

      Liebe Grüße
      Silvana mit Cabo

  • Wahre Worte gelassen ausgesprochen! Danke für diesen Bericht!
    Gute Vorsätze an Silvester waren noch nie mein Ding. Wenn ich etwas ändern will brauche ich keinen 31. Dezember. Ich wünsche ein erfolgreiches 2016 und dass Du viele Deiner Erkenntnisse auch umsetzen kannst.
    Mach´s gut, wir sehen uns!

    Ganz liebe Grüße
    Birgit mit Leika & Bella

    • Hi Birgit, da gebe ich dir vollkommen recht. Wenn ich etwas ändern will, brauche ich dafür keinen Jahreswechsel. Mal sehen, wie sich meine Erkenntnisse in 2016 umsetzen lassen. Ein stückweit habe ich den Beitrag auch für mich geschrieben, um mich immer wieder an meine Worte zu erinnern. Und was man einmal aufgeschrieben hat, bleibt besser hängen. 😉

      Lieben Dank für deinen Kommentar und viele Grüße zurück!

      Freue mich auf unser Wiedersehen!

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

%d Bloggern gefällt das: