Kalte Schnauze – Hundeblog

Um diese Geschichte zu erählen, muss ich ein wenig ausholen: Seit gut einem Jahr habe ich alle bisherigen Lösungsansätze über Bord geworfen, die ich im Umgang mit Leinenaggression, innerartlicher Aggression und Hunden im Allgemeinen kennengelernt habe. Ich meide keine schwierigen Situationen mehr, ich mache mir nicht mehr in die Hose, wenn mir Hunde entgegen kommen und ich lenke Cabo auch nicht mehr mit Futter um. Denn ich habe damit begonnen, für meinen Hund Führung zu übernehmen und mit alten Gewohnheiten zu brechen. Nette Nebeneffekte: Mein Geldbeutel dankt es mir, da ich keine Leckerchen mehr brauche, meine Jackentaschen fühlen sich auch wieder wohl, seitdem ich dort nichts mehr für meinen Hund aufbewahre, mein Selbstbewusstein ist wieder da – hello again – und Cabo freut sich darüber, endlich die Weltherrschaft an mich abgegeben zu haben. Doch Erfolg macht ja bekanntlich übermütig, sodass wir nun zur eigentliche Geschichte kommen.

Auf Augenhöhe mit dem Erzfeind

Ich hatte mir die wahnwitzige Idee in den Kopf gesetzt, die Begegnung mit Cabos Erzfeind zu suchen. Rambo, ein zweijähriger, strammer Boxerrüde, der seinen Besitzern beigebracht hat, alles zu akzeptieren, was er durchboxen will. Wie der Zufall es wollte, traf ich Rambo nebst Herrchen eines Morgens auf meinem Spaziergang mit Cabo. Ich war hochmotiviert das Problem anzugehen und dachte: „Jetzt oder nie!“ Ich sprach den Mann an und fragte ihn, ob ich ein Stück mit ihm mitgehen könnte, weil mein Hund ein offensichtliches Problem mit seinem Rüden hätte und ich das gerne abstellen würde. Überrumpelt von mir willigte er sofort ein.

Was ich natürlich in meiner Euphorie nicht bedacht hatte war, dass das Boxer-Herrchen wohlmöglich eine ganz andere Vorstellung von Hundeführung hat als ich (hatte er überhaupt eine???). Meine war zumindest, dass die Hunde gesittet nebeneinander herlaufen und sich Cabos Anspannung beim gemeinsamen Gehen legt, mit dem Ziel, ihm zu zeigen, dass Rambo gar nicht so übel ist. Was das Boxer-Herrchen wollte wusste ich nicht, ich hatte ihn ja einfach mit meiner Bitte überfallen.

60 Kilogramm Hundemasse ist schwer kontrollierbar

Anstatt mit mir in Ruhe ein paar Schritte zu gehen, war Rambos Bestreben jedoch ein anderes. Er wollte unbedingt mit Cabo Kontakt aufnehmen. Da das Boxer-Herrchen perfekt von seinem Hund konditioniert war, sah er auch keinen Sinn darin, Rambo von der Kontaktaufnahme abzuhalten – obwohl Cabo knurrte und ihm die Nackenhaare zu Berge standen. Gut, ich gebe zu, 60 kg unkontrollierte Hundemasse lässt sich nur schlecht händeln. Rambo hatte so entschieden, Herrchen folgte brav. Einziger Nachteil: Der Koloss war so hektisch und aufgeregt, dass ich Mühe hatte, Cabo auf einem ruhigen Level zu halten. Ist mir auch nicht wirklich gut gelungen, weil Rambo nicht mitspielte und seinen Plan, mit meinem Hund Bekanntschaft zu machen, unbedingt in die Tat umsetzen wollte.

Um die Situation aufzulockern habe ich den Mann gefragt, was er denn in dem Hundeverein, von dem er gerade kam, so alles mit Rambo lernt. Seine Antwort war kurz und bündig: „Unterordnung und Erziehung!“ Und Schwupps versuchte der sichtlich überforderte Mann seinen etwas übergewichtigen Hund, mit ein paar Leckerlis abzulenken. Doch anscheinend war die Nase seines Hundes verstopft, denn die Technik “Umlenkung durch Futter” zeigte keine Wirkung. Ach was! So weit war ich ja auch schon.

Übermut tut selten gut

Na ja, im Endeffekt war die ganze Aktion für die Katz. Ich kann von Cabo nicht verlangen, dass er diesen Hund auf Anhieb toll findet und mit ihm über die Wiesen tollt. Mein ehrgeiziges Projekt, meinem Hund seine Antipathie gegenüber dem Boxer zu nehmen, ist einfach am meinem Übermut gescheitert. Ich hätte mich an dem Morgen auch mit einem der Eichhörnchen unterhalten können, die meinen Weg kreuzten. Der Effekt wäre der gleiche gewesen: Wir sprechen nicht dieselbe Sprache, und haben beide eine andere Auffassung von Hundebegegnungen.

Zum Glück leben die Hunde im Hier und Jetzt, sodass Cabo mir meine zwar gut gemeinte, aber völlig naive Herangehensweise zur Problembehandlung nicht übel genommen hat. Zu allem Überfluss habe ich den armen Boxerbesitzer auch noch vom Zubettgehen abgehalten. Der Gute war so erkältet, dass er sein Training “Unterordnung und Erziehung” im Hundeverein vorzeitig abgebrochen hatte, was ich aber erst nach unserer Verabschiedung herausgefunden hatte.

Seit diesem Tag bin ich Rambo und Herrchen auf meinen Runden nicht mehr begegnet. Ob er mir wohl aus dem Weg geht?! Ganz egal was der Grund dafür sein mag: Ich hoffe beim nächsten Aufeinandertreffen darauf, dass Rambo seinen Geruchssinn wiedererlangt hat und sich dank Unterordnung und Erziehung mit Futter umlenken lässt. 😉

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