Kalte Schnauze – Hundeblog

Neulich abends im Biergarten

Ab und zu kommt es vor, dass ich meinen Hund zuhause lasse, wenn ich auswärts einen Happen zu mir nehme. Ja, ja. Ich weiß. Manche finden das unmöglich und schon tierschutzrelevant. Ich finde es zwischendurch aber mal ganz angenehm. Ist wie in einer guten Beziehung. Da klebt man auch nicht ständig aneinander, sondern lässt sich Freiräume. Gut, mein Hund hat da nicht unbedingt Mitspracherecht, aber egal.

Ein Biergarten und unter jedem Tisch ein Hund

Nun war ich also gestern Abend auf ein Hähnchen im Wald und stellte erfreut fest, dass an fast jedem Tisch im Biergarten mindestens ein Hund darunter sowie daneben saß und manch einer sogar auf einem Stuhl. „Prima“, dachte ich. Das gibt Stoff für den Blog. Und genauso war es auch. Direkt neben mir hatte ich drei ganz besondere Exemplare sitzen. Damit meine ich weniger die Hunde … Auf jeden Fall waren die kleinen Wuffis unterm Tisch Gesprächsstoff Nummer 1. Zum einen, weil sie nicht immer ganz das machten, was ihre Besitzer wollten und zum anderen, weil es anscheinend keine anderen Themen zu bereden gab.

„Jazzy, sitz!“, Franz-Willy, hier!“, „Jimmy, lass das!“

Tja, und so ging das die ganze Zeit von „Jassy, sitz!“ über „Franz-Willy, hier!“ bis hin zu „Jimmy, lass das!“. Gleichzeitig beweihräucherten sich die Besitzer gegenseitig, wie toll der eine Hund dieses kann und der andere jenes macht. Zwischendurch dann immer wieder „Jassy sitzt!“, „Franz-Willy hier!“, Jimmy, lass das!“ Ja, ich musste neidlos anerkennen, dass die Hunde gut darin waren, Dinge nicht auszuführen. Ich würde sogar sagen perfekt. Da staunte ich nicht schlecht, als das eine Herrchen zu verlauten gab, dass sein Franz-Willy auf dem Feld hört wie eine Eins. „Den kann ich auf dem Weg ablegen und mich 300 Meter weit von ihm entfernen – und der bleibt liegen“, hörte ich ihn sagen. „Komisch“, dachte ich, denn Franz-Willy beherrschte das Liegenbleiben zumindest im Biergarten noch nicht mal auf einem knappen Meter. Aber gut: Das ist sicherlich auch was anderes.

Mittlerweile hatte das Dreier-Mensch-Hunde-Gespann nicht nur meine Aufmerksam sicher, sondern auch die, der weiteren Nebentische. Mag daran gelegen haben, das Franz-Willy, der nicht angeleint war, mal guckte, welche Fritte oder welcher Hühnchenrest sich noch so unterm Nachbartisch verbarg. Herrchen versicherte noch allen „der tut nix“ und damit durfte der kleine Hund seines Biergarten-Weges gehen. Sicherheitshalber wurde zwischendurch noch mal „Franz-Willy, hier!“ gebrüllt, damit Hund auch wusste, dass Herrchen nicht weggelaufen war.

Achtung, Ironie!

Dann bemerkte einer der wenigen Gäste ohne Hund mit einem Hauch Ironie an, dass Franz-Willy aber gut hört. Prompt schaltete sich das Frauchen von Jassy ein und ging dem Mann mit gewissem Stolz auf den Laim: „Ja, der hört wirklich gut. Nicht so wie meine Jassy. JASSY SITZT!“ „Rufen Sie den Hund doch mal zu sich“, sagte der Gast ohne Hund plötzlich. Da wurde Jassys Frauchen schon etwas kleinlauter: „Na ja, er ist ja nicht mein Hund. Aber auf seinen Besitzer hört er super!“ Im gleichen Moment rief dieser auch schon wieder „Franz-Willy, HIER!“ und stand dann etwas genervt auf, um seinen gut hörenden Hund am Nebentisch einzusammeln. Aber im Feld, ich sage euch, da bleibt der mehr als 300 Meter entfernt von seinem Dosenöffner liegen.

Und so hörte ich noch das ein oder andere Mal „Jassy, sitzt!“, „Franz-Willy, hier!“, Jimmy, lass das!“, während ich eine Frau beobachtete, die ihr Hähnchen liebevoll mit ihrem Yorkshire Terrier teilte, der auf dem Stuhl in einem weichen Körbchen neben ihr saß und wieder einer anderen Frau dabei zusah, wie sie an der Leine ihres Jackys rumruckelte, weil der nicht still liegen bleiben wollte. „Das alles hat dein Hund jetzt verpasst, während er tiefschlafend zuhause in seinem Körbchen liegt“, dachte ich. Und auf einmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, ihm all das vorenthalten zu haben …

9 CommentsLeave a comment

  • Herrlich geschrieben!

    Aber wie konntest du dem armen Cabo das Spektakel vorenthalten?! Schäm dich 😉

    Liebe Grüße von Bianca mit den Terrorwuscheln Benny und Anton 🙂

  • Hach, was habe ich geschmunzelt, eine kleine Komödie im Biergarten. Ich könnte derart Erlebtes nie mit soviel Witz und Humor wiedergeben. Ganz prima!!

    • Danke dir, Patricia! Es freut mich sehr, wenn ich euch hier zum Lachen oder Schmunzeln bringe. Für mich das schönste Kompliment!

  • Soo wahr. Aber ehrlich?
    Immernoch besser, als wenn so ein yorkie urplötzlich ohne Vorwarnung unter dem Tisch vor schießt und fletschend gegen deine beiden ziemlich großen labbis geht..

    Liebe Hundebesitzer. Man kann auch 3 Stunden ohne Hund aus dem Haus gehen, wenn dieser nicht folgt oder agressiv ist -.-„

    • Da gebe ich dir Recht, Geri! Das ist tausendmal besser, als unvorhergesehen attackiert zu werden. Und ein Hund muss auch nicht überall mit hin. Wie du schon geschrieben hast: Man kann den Vierbeiner auch mal für 3 Stunden zu Hause lassen.

  • Hallo Silvana

    Einfach toll geschrieben, vermutlich wäre ich bei dem Schauspiel den ganzen Avend dort geblieben 😀

    Liebe Grüße, Klaus

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

%d Bloggern gefällt das: