Kalte Schnauze – Hundeblog

Wie Crossdogging die Beziehung zu meinem Hund stärkt

Cabo und ich erleben zur Zeit unseren zweiten Frühling. Er ist jetzt 7 ½ und ich fast 34. Etwas mehr als sieben Jahre sind wir nun zusammen. In einer menschlichen Beziehung würde man vom verflixten siebten Jahr sprechen. Auf Cabo und mich trifft das zum Glück nicht zu.

Wir gehen seit fünf Wochen zum Crossdogging und haben unsere Leidenschaft für das gemeinsame Training wiederentdeckt. Das stärkt unsere Beziehung ungemein. Und nicht nur das: Ich lerne auch, meine Aversion gegen Hundeplätze in den Griff zu bekommen. Doch dazu muss ich ausholen.

Manchmal findet mich mein Hund zum Kotzen

Wenn ich an meinen Hund denke, dann sehe ich nur die schönen Dinge, die ich mit ihm erlebt habe. Trotzdem gibt es auch bei uns schlechte Zeiten. Nicht immer ist alles rosarot.

Die schlechten Zeiten sind die, in denen Cabo mich auf die Palme bringt, meine Geduld herausfordert. Das macht er immer dann, wenn mein Nervenkostüm sowieso sehr dünn ist. Es ist sein persönlicher Wink mit dem Zaunpfahl mir mitzuteilen, dass er mich gerade richtig zum Kotzen findet.

Dann rebelliert er und bringt mich mit seiner ungestümen Art und seiner Kopflosigkeit an meine Grenzen. Das passiert im Alltag, wenn ich beruflich bedingt viel Stress habe. Sobald aber sein Hilferuf bei mir ankommt, ändere ich mein Verhalten schlagartig. Dann schalte ich einen Gang runter, atme tief durch und übe mich in Gelassenheit. Ich habe gelernt, auf Cabo zu hören. Es ist nicht nur gut für ihn, sondern auch für mich.

Vorhang auf: Der Obermacho und die hysterische Furie betreten den Hundeplatz

Allerdings gibt es eine Sache, bei der ich nicht über meinen Schatten springen kann. Sobald ich mit Cabo einen Hundeplatz betrete, verfallen wir beide in alte Muster. Er kehrt den Obermacho heraus und ich werde zur hysterischen Furie, die bei jedem Knurren und jeder Unachtsamkeit meines Hundes explodiert.

Wir haben in unserer gemeinsamen Zeit so ziemlich alles ausprobiert, was der Beschäftigungsmarkt mit Hund hergibt: Von A wie Apportieren über L wie Longieren bis hin zu Z wie Ziel-Objekt-Suche. Diverse Workshops zum Thema „Die Sprache der Hunde richtig verstehen“ nicht zu vergessen.

Abhaken, neu anfangen — wenn’s so einfach wäre

Doch gerade am Anfang, als Cabo noch in der Prägephase und ich ziemlich unerfahren war, haben wir viele schlechte Erfahrungen gemacht. Das Warum, Wieso, Weshalb zu erklären, würde den Rahmen sprengen. Fakt ist, ich habe damals zu wenig hinterfragt, mein Bauchgefühl außer Acht gelassen und blind vertraut. Ich gebe dafür niemandem die Schuld, nur mir. Bis heute könnte ich mich dafür ohrfeigen, gewisse Dinge zugelassen zu haben. Abhaken, neu anfangen. Wenn’s so einfach wäre.

Die Erfahrungen waren so prägend, dass ich einfach nicht loslassen kann. Hundeplätze bedeuten puren Stress für mich. Dass das meinen Hund nicht kalt lässt, erklärt sich von selbst.

Mein Pakt mit dem inneren Schweinehund

Also habe ich den regelmäßigen Gang zur Hundeschule gemieden, mir gezielt Angebote herausgepickt, die nicht über mehrere Wochen gingen und mich zu nichts verpflichteten. Ich beschäftige Cabo auf Spaziergängen mit Such- oder Apportierspielen und gehe in meiner Freizeit mit ihm und seinen Hundefreunden ausgiebig wandern. Eine Lösung, mit der wir beide gut zurechtkommen. Oder ist es doch nur ein Parkt mit dem inneren Schweinehund?

Meine Einstellung änderte ich erst, als ich für die Rheinische Post einen Artikel über Crossdogging im Hundezentrum MG von Daniela Schramm geschrieben habe. Ich war so begeistert von dem Training, dass ich mich noch am selben Tag für den nächsten Monat zum Crossdogging anmeldete.

Und schon auf dem Weg zur ersten Stunde, bereute ich meinen Entschluss. Diese innere Unruhe ergriff plötzlich wieder Besitz von mir – mein Selbstbewusstsein machte den Abflug. Am liebsten wäre ich umgedreht und hätte abgesagt. Die Arbeit wie so oft als Grund vorgeschoben. Mein Schweinehund zerrte vehement an meinem guten Vorsatz.

Ich fasste mir ein Herz und sperrte den Schweinehund aus

Doch ich schaffte es bis zum Hundeplatz. Und irgendwie überstanden Cabo und ich auch die erste Stunde. Natürlich war es total chaotisch, weil ich durch meine Anspannung wieder Cabos schlechteste Seiten zum Vorschein gebracht habe. Aber ich wollte unbedingt wieder Spaß mit ihm auf dem Hundeplatz haben, weil er so ein toller Kerl ist und die gemeinsamen Aufgaben mit mir liebt. Wenn ich kein Nervenbündel bin…

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Was geht?!

Ich fasste mir ein Herz und besprach mein Problem nach der Crossdogging-Stunde mit Trainerin Daniela. Dass Cabo und ich so nervös sind auf dem Hundeplatz, wir uns gegenseitig hochschaukeln, einer von uns beiden grundsätzlich die Nerven verliert und wir dann gefrustet nach Hause fahren.

Und schon auf dem Heimweg, fiel mir eine große Last von den Schultern.

Ich hatte mein Problem zum ersten Mal offen aus- und angesprochen. Und schlagartig wurde mir klar, dass ich der Kern allen Übels bin, nicht Cabo. Zum allerersten Mal kam das auch in meinem Kopf an. Nur weil ich es ausgesprochen hatte. Seitdem ist der Knoten geplatzt. Von Mal zu Mal freue ich mehr auf den Montagabend und das Crossdogging-Training mit dem Krummfuß. Jede Stunde komme ich mit einem Aha-Erlebnis vom Platz.

Crossdogging kurz und knapp erklärt

Fünf verschiedene Stationen gilt es für uns jedes Mal zu meistern. Ähnlich wie beim Zirkeltraining. Zwei Minuten Zeit haben wir für jede, um sie so oft wie möglich zu wiederholen. Dafür gibt es Punkte, die später in der Crossdogging-Rankingliste festgehalten werden. Die Aufgaben sind knifflig und lustig zugleich. Daher sind Kreativität und Vielfältigkeit gefragt. Genau das, was Cabo und ich brauchen, um wieder Selbstbewusstsein auf dem Hundeplatz zu tanken.crossdogging-logo

Es kommen Elemente aus dem Agility, dem Apportier- und Tricktraining sowie aus dem Longier- und Frisbee-Sport vor. Außerdem werden Grundgehorsam, Distanz- und Impulskontrolle trainiert. Es gibt drei Ligen — Study, Bachelor und Master — damit sich keiner unter- oder überfordert fühlt. Wir fangen klein an. Und es tut uns richtig gut.

Weil ich während der Stunde so auf die Aufgaben konzentriert bin, ist für Anspannung und Nervosität kein Platz mehr. Ich habe die Ruhe weg, der Druck ist raus. Das einzige Ziel ist, mir zu überlegen, wie ich meinen Hund am besten dazu bekomme, die Aufgabe mit mir zu lösen. Und schon bei der zweiten Station sinkt mein Stresslevel gegen Null, und Cabo und ich agieren als Team.

Crossdogging als Mensch-Hund-Therapie

Jeden Monat gibt es drei neue Schwerpunkte zum Üben, die in den kommenden Wochen in irgendeiner Weise immer wieder abgefragt werden. Die erste Crossdogging-Stunde eines jeden Monats ist dazu da, die neuen Elemente zu erlernen. Zu Hause wird weitertrainiert.

Schon jetzt merke ich, wie sich Cabos und meine Beziehung verändert. Das Üben bringt uns wieder viel näher zueinander und ich habe das Gefühl, ihn noch besser zu verstehen als zuvor. Er liest mich und ich lese ihn. Wir haben unsere Leidenschaft für das gemeinsame Training wiederentdeckt. Und wenn ich ihn lachen sehe, dann bin ich stolz auf mich, meiner Hundeplatzphobie die Stirn geboten zu haben. Es lohnt sich, mutig seinen Weg zu gehen. Danke, Anna, für die Inspiration auf deinem Blog. Und danke auch an Daniela, für die vielen kleinen Wachrüttler, die du mir während der Crossdogging-Stunde gibst.

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Der Grinsebär macht mir viel Freude.

Wenn ihr mehr über Crossdogging erfahren wollt, dann klickt doch mal hier rein. Auf der Seite gibt’s jede Menge Infos zum Crossdogging und Hundeschulen in eurer Nähe, die das Beschäftigungstraining anbieten.

16 CommentsLeave a comment

  • Hallo Silvana

    Ein wirklich toller Bericht, bei dem mir doch einiges sehr bekannt vorkommt 😉

    Mein Hundewurm kann auch schon mal ein kleiner Macho sein und mich dann fürchterlich nerven 😀 Mittlerweile habe ich aber ein „dickeres Fell“ und bin der Ansicht, das auch Hunde ab und zu so richtig doof sein können 😀

    Übrigens sind die Fotos richtig klasse 🙂

    Liebe Grüße, Klaus

    • Lieben Dank für dein Feedback, Klaus! Es beruhigt mich, dass dein Hundini auch nicht immer ein Engel ist. Das dicke Fell, von dem du sprichst, lege ich mir jetzt auch zu. Der nächste Winter kommt bestimmt. 😉 Aber jetzt mal ernsthaft. Das dicke Fell habe ich in manchen Situationen noch immer nicht. Aber die Selbsterkenntnis ist ja meistens der erste Weg zur Besserung. Ich arbeite dran. Da muss Cabo einfach noch etwas Geduld mit mir haben. 🙂

      Freut mich, dass du die Bilder klasse findest. Es hat mir auch Spaß gemacht, sie auf Speicherkarte zu bannen.

      Drück mir deinen Macho!

      LG Silvana

      • Hi Hi, na klar drück ich den Macho – obwohl der verwöhnt genug ist 😀

        … und danke für den Tipp mit dem Campingplatz 🙂

        Liebe Grüße, Klaus

        • Ein Drücker mehr oder weniger wird Davy nicht schaden. 😉

          Gern geschehen. Wirst du den Campingplatz ausprobieren?

          LG Silvana

          • Na klar, ich habe schon gebucht 😉 Ganz in der Nähe gibt es immerhin auch den besten Kibbeling von ganz Scharendijke 😀

            Aber erst geht es noch einmal in den Hunsrück (Wandern), danach irgendwann über die Eifel (Metzger und Käse), Luxemburg (Tanken, Kaffee) und Belgien (Waterloo besichtigen und Pommes essen) in die Niederlande (Urlaub machen + Käse kaufen) 🙂 😀

            Auf der Rückfahrt gehe ich dann auch wieder wandern 😀

            Liebe Grüße, Klaus 🙂

          • Beneidenswert! Das würde ich jetzt auch gerne alles tun…
            Dann bin ich mal gespannt, wie dir der Campingplatz gefällt. Mit dem guten Kibbeling in der Nähe, kann ja fast nichts mehr schiefgehen. 😀

            Liebe Grüße
            Silvana

  • Liebe Silvana,

    wie schön 🙂 Ich freu mich so, dass Cabo dich über deine Comfortzone geschubst hat, dass du dich getraut hast und ihr zu Belohnung auch noch beide Spaß habt. Danke für deine Geschichte, sie geht mir ans Herz <3

    .. und der Artikel motiviert mich, Crossdogging mal mit Cosmo auszuprobieren.

    Freue mich von dir zu lesen, bis bald!

    Anna

    • Hey Anna, ich finde es schön, wenn wir Blogger uns untereinander inspirieren können. Bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe, wollte ich auch im Bereich Coaching mit Hund aktiv werden. Letzten Endes ist es am Preis der Ausbildung gescheitert. Nichtsdestotrotz sauge ich Themen, bei denen Hunde Menschen dazu bringen an sich zu arbeiten wie ein Schwamm auf. Auch wenn ich nicht immer alles kommentiere auf deinem Blog oder bei FB, so lese ich immer alles mit. Und wer weiß, vielleicht habt ihr beide ja auch Spaß am Crossdogging.

      Danke noch mal!

      Liebe Grüße — auch an Cosmo

  • Liebe Silvana,

    sehr schön ge- und beschrieben.

    Ich habe nur noch nicht kapiert, wer die hysterische Furie sein soll. Ich sehe dich als taffe Frau. Muss ich mein Bild von dir überdenken? 🙂

    LG
    Stawi

    • Danke, Matthias! 🙂 :-*

      Du kennst das doch bestimmt mit dem Fremdbild und dem Selbstbild. 😉
      Aber im Grunde hast du schon recht. Ich bin eine toughe Frau. Aber manchmal verlässt mich doch noch mal der Mut mit Cabo.

      LG zurück!

  • Ein sehr schöner Bericht Silvana! Macht erstens Lust auf Crossdogging und zweitens motiviert er dazu immer wieder neue Dinge mit dem Vierbeiner auszuprobieren. Schön dass Du wieder Spaß und Freude am „Hundeplatz“ gefunden hast und ihr als Team noch ein Stück mehr zusammen gewachsen seid! ?
    Und ebenso wie Matthias habe ich mich gefragt wen Du mit der Furie meinst? ?
    Eine Solche stelle ich mir definitiv anders vor!!
    Euch beiden weiter viel Spaß beim Crossdogging!

    • LOL! Jeder hat sein eigenes Bild von einer Furie im Kopf. Sicherlich habe ich mich etwas überspitzt dargestellt. Auch wenn ich äußerlich nicht nervös wirke, brodelt es dafür umso mehr in mir. Das merkt nur Cabo und reagiert entsprechen. Aber daran arbeite ich gerade und stelle das ab. Scheint zu funktionieren. 🙂

      Liebe Grüße
      Silvana

  • Liebe Silvana, ich freue mich richtig für dich und wenn ich das Grinsefoto von Cabo sehe, weiß ich wie viel Spaß ihr Beiden habt. Es gibt nichts Schöneres als mit seinem Sportsfreund Hund als Team zusammen zu arbeiten und dabei mächtig Spaß zu haben !! LG auch von den Halunken!

    • Danke, Patricia. Du weißt, wovon du sprichst. Mit Scotty machst du ja auch so tolle Erfahrungen auf dem Hundeplatz. Irgendwann komme ich mal mit und gucke euch zu.
      Drück mir die Halunken!

  • Hi hi ich kann dir sagen Silvana, heute hat Spike bewiesen und ich natürlich auch, dass manche Situationen uns einfach überfordern. Spaziergang mit einem Welpen, der andauernd an ihm rumknabbert, während Spike immer wieder sein Aufreiten zeigte.

    Das einzige Mittel in wirklich runter zu fahren war, Leine fallen lassen, ihn abliegen lassen. An der Leine war er kaum zu bändigen. Wieder eine Erfahrung gemacht, die nicht angenehm war, aber Grund zum Nachdenken gibt.

    Toll auf jeden Fall, dass du deinen inneren Schweinehund so irgnorieren konntest, zu euer beider Glück.

    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,
      wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, dann ist für mich das Verhalten von Spike gegenüber dem Welpen vollkommen normal. Mit dem Aufreiten sagt er dem kleinen Nervzwerg nur, dass es sich nicht gehört, an einem älteren Hund permanent rumzuknabbern. Ich hätte wahrscheinlich dem Welpen eine klare Ansage gemacht, damit er Spike in Ruhe lässt. Gerade weil er ein Welpe ist, darf er sich nicht alles erlauben. Das muss er lernen.

      Viele Grüße
      Silvana

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