Kalte Schnauze – Hundeblog

Nach meiner ersten Urlaubswoche mit viel Regen und auf der Couch liegen und lesen kam ich auf die wahnwitzige Idee, einen Gipfel zu erklimmen. Die müden Knochen waren ausgeruht und so wurde ich übermütig. Schon im vergangenen Jahr hat es mich in den Füßen gekribbelt, nun sollte es also so weit sein: Hundsarschjoch wir kommen!

Ja, ja. Der Berg in Österreich heißt tatsächlich so und ist von dem Örtchen Vils in gut zwei Stunden zu erreichen – dachte ich. Also machte ich mich mit Cabo auf den Weg zur Vilser Alpe, von der aus der Berg mit dem komischen Namen zu erklimmen ist. Auf der Wanderkarte entdecke ich einen Rundweg, der mich von Vils über die Vilser Alpe und dem Hundsarschjoch zur gleichnamigen Alpe und dann zurück nach Vils führen sollte. „Super“, dachte ich, „das wird eine tolle Tageswanderung.“

Nach rund einer Stunde Fußmarsch bergauf, ließ ich die ziemlich menschenüberfüllte Vilser Alpe hinter mir und stand voller Tatendrang vor dem Schild „Hundarschjoch 40 Min“. Den roten Kreis, der den Schwierigkeitsgrad des Weges angibt, ignorierte ich genauso wohlwollend wie die eng aneinander liegenden Höhenlinien auf meiner Wanderkarte.

Eine Buche allein auf weiter Flur.

Eine Buche allein auf weiter Flur.

Vilser Alpe in Österreich

Vilser Alpe in Österreich.

20 Minuten später und lediglich gefühlte zehn Höhenmeter weiter musste ich das erste Mal eine Verschnaufpause einlegen. Meine Güte, war das steil! Mein Hund sah das jedoch anders, denn er hatte bereits sieben Höhenmeter Vorsprung. Ist ja auch viel einfacher mit vier Beinen.

Ich erklärte den Hundsarschjoch zum Arschlochberg

Also schleppte ich mich weiter den steinigen und felsigen Weg hinauf. Doch schon nach 5 weiteren Minuten musste ich wieder anhalten. Der Schweiß stand mir auf der Stirn und mit der Luft war das auch so eine Sache. Mitleidig drehte sich mein Hund immer wieder nach mir um – als ob er sagen wollte: „Du warst aber auch schon mal schneller unterwegs.“

Was los, Frauchen? Kannste nicht mehr?

Was los, Frauchen? Kannste nicht mehr?

Immer wieder kamen mir Wanderer von oben kommend entgegen. Um nicht als kompletter Vollidiot und Flachlandtiroler aufzufallen, zückte ich regelmäßig meine Kamera, um Alibi-mäßig Fotos zu machen. Das ging so lange gut und  fiel nicht auf, bis ein Wanderer zu mir meinte: „Sie müssen ganz hoch auf den Hundsarschjoch oder noch besser zum Vilser Kegel. Von da aus haben sie einen viel besseren Ausblick!“ Ja, ja. Der hatte gut reden. Schließlich kam er von oben und ich hievte mich schon seit mehr als einer halben Stunde den Berg hoch. „Wie weit ist es denn noch?“, fragte ich ihn schließlich. Als Antwort bekam ich „eine halbe Stunde“. Uff!

Nach weiteren 20 Minuten und zehn Fotos mehr auf meiner Speicherkarte hatte ich nicht nur mit der Steigung und der Luft Probleme, sondern auch mit meinen Beinen. Denn so langsam aber sicher verließen mich meine Kräfte und ein Ende war noch immer nicht in Sicht. Von wegen noch 30 Minuten. Pah!

Also erklärte ich schweren Herzens den Hundsarschjoch zum Arschlochberg und drehte um. Cabo hatte mehrere Fragezeichen auf der Stirn stehen, denn er verstand so gar nicht, dass wir den mühsam erklommenen Berg nun auf dem selben Weg wieder hinunter mussten.

Du hättest die Runde auch andersherum laufen sollen

Auf dem Rückweg zur Vilser Alpe und zu meinem Auto traf ich den Wanderer wieder, der mir auf meinem Aufstieg von dem tollen Ausblick vom Hundsarschjoch vorgeschwärmt hatte. Voller Anerkennung sagte er zu mir: „Da bist du ja auch schon wieder!“ Na ja, wenigstens ihn konnte ihn beeindrucken.

Als ich endlich nach mehr als vier Stunden in meinem Auto saß, bin ich vollkommen erschöpft und mit schlotternden Beinen zurückgefahren. Auf den fetten Muskelkater die nächste Tage freute ich mich schon. Als ich meiner einheimischen Freundin abends von dem Ausflug erzählte und dass ich gepatzt hatte, sagte sie nur trocken: „Du hättest die Runde auch andersherum laufen sollen. Da geht’s nicht gleich so steil bergauf.“ Na super!

Und ich hatte mich schon gewundert, warum mir nur Wanderer von oben entgegen kamen und niemand mit mir zusammen den Aufstieg zum Hundsarschjoch wagte. Ja, so ist das halt, wenn man alle Anzeichen ignoriert und der Übermut siegt.

Die kommenden zwei Tage verbrachte ich dann wieder liegend und lesend. Dann aber zumindest bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse.

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