Kalte Schnauze – Hundeblog

Urlaub im Saarland. Geht das überhaupt? Darüber haben meine Freunde und ich uns keine Gedanken gemacht, als wir eines Abends über der Urlaubsplanung für 2017 brüteten und auf die große Deutschlandkarte blickten, die vor uns auf dem Tisch lag. Wir wollten eine Woche weg, aber nicht so weit anreisen müssen. Wir entschieden uns für das nördliche Saarland. Falls es ein Reinfall werden sollte, konnte man zur Not schnell nach Rheinland-Pfalz rüber hüpfen und in die Vulkaneifel ausweichen. Da waren wir schon mal und fanden es sehr schön. Zum Glück war das alles nicht nötig. Die eine Woche im Saarland war Erholung pur.

Das Saarland ist kein klassisches Reiseland

Dieser Satz ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Er steht so auf der Saarland-Internetseite www.saarland.de der Staatskanzlei bzw. des Ministeriums. Was zunächst als Nachteil ausgelegt werden könnte, sehen die Verantwortlichen als klaren Vorteil: „Das Saarland ist nicht überlaufen und gibt viel Spielraum für eigene Entdeckungen.“ Das klingt auf den ersten Blick bescheiden, fast unkreativ. Das kann alles oder nichts sein. Auf den zweiten Blick lassen die Tourismusverantwortlichen die Urlauber dann doch nicht im Stich.

Schließlich verfolgt das Bundesland, das gemessen an der Einwohnerzahl nach Bremen das kleinste ist, eine Tourismusstrategie namens 2025. Ziel ist es, die Übernachtungen bis 2025 von 2,98 (Stand 2015) auf 3,3 Millionen zu erhöhen und das Einkommen aus dem Tourismussektor auf 700 Millionen Euro wachsen zu lassen. Dass das kleine Bundesland auf einem sehr guten Weg ist, beweisen aktuelle Zahlen. Auf über 3 Millionen stiegen die Übernachtungszahlen in 2016 an. Ein Plus von 1,3 Prozent zum Vorjahr. Bei den Gästen sind es sogar 3,8 Prozent. Damit besuchten eine Millionen Gäste das Saarland in 2016.

Auf www.urlaub.saarland könnt ihr euch überzeugen, dass die Tourismusexperten einen sehr guten Job machen. „Saarland – mit grenzenlosem Charme“ oder „Saarland – Großes entsteht immer im Kleinen“ sind keine leeren Worthülsen. Ihr habt die Auswahl: Wandern, Radfahren, Kultur, Genuss, Wellness und vieles mehr. Wer da nicht fündig wird, ist merkwürdig. 😉

Weite, Wald und Wohlgefühl im heilklimatischen Kurort Weiskirchen

Wir wählten als Urlaubsort Weiskirchen aus. Warum? Weil wir uns dort direkt im Naturpark Saar-Hunsrück befinden. Genauer gesagt im Gebiet Schwarzwälder Hochwald durch den vier Etappen des Saar-Hunsrück-Steigs führen und diverse Traumschleifen diesen säumen. Wie der Zufall es wollte, gab es in Weiskirchen gleich zwei Campingplätze. Einer davon direkt am Rande des Schwarzwälder Hochwaldes. Doch dazu gleich mehr.

Weiskirchen ist eine Gemeinde im Landkreis Merzig-Wadern und als Heilklimatischer Kurort der Premium Class bekannt. Mit dieser Auszeichnung rangiert Weiskirchen unter den top 15 der deutschen Heilklimaziele. Das Klima zeichnet sich an diesen Orten durch minimale Belastungsfaktoren und stimulierende Reize bzw. Schonfaktoren aus. Das Heilklima wirkt sich positiv auf Erkrankungen der Atemwege, von Herz, Gefäßen und Kreislauf aber auch auf Hauterkrankungen aus.

Ich habe sofort einen Unterschied zu der schwülen, im Sommer fast subtropischen Luft am Niederrhein bemerkt. Mit Heuschnupfen hatte ich trotzdem zu kämpfen, da die saftigen Blumenwiesen in voller Blüte standen. Übrigens: Solche Blumenwiesen vermisse ich schon lange in meiner Region rund um Mönchengladbach. Durch die intensive Landwirtschaft sucht man bei uns vergebens Wildblumen am Wegesrand … Doch zurück zu Weiskirchen.

Die Gemeinde mit ihren fünf Ortsteilen zeichnet sich nicht nur durch seine heilklimatischen Vorzüge aus. Unberührte Höhenzüge, geschlossene Wälder und tief eingeschnittene Täler prägen die Landschaft in und um Weiskirchen. Vor allem das wildromantische Tal des Holzbachs hat es mir angetan. Dort fanden wir und vor allem die Hunde selbst an heißen Tagen Abkühlung.

Weiskirchen als Kurort ist Standort der Hochwald-Kliniken, die sich auf Orthopädie und Sportmedizin sowie auf den Bereich Innere Medizin spezialisiert haben. Sie genießen deutschlandweit einen guten Ruf. Der Ortskern mit seinem idyllisch angelegten Kurpark und dem Staudengarten lässt den Urlauber nichts vermissen. Es gibt dort alles für den täglichen Bedarf, eine gute Auswahl an Restaurants für jeden Gaumen und Geldbeutel sowie ein modernes Haus des Gastes der Hochwald-Touristik, das viele Informationen und Hilfen für den Besucher bereithält. Noch mehr findet ihr auf der Internetseite www.weiskirchen.de.

Wandern so weit die Füße und Pfoten tragen

Wer in der Gemeinde Weiskirchen wandern will, muss dazu nicht mal das Auto bewegen. Vier Traumschleifen (Zwei-Täler-Weg – Nr. 47 – 13 km; Hochwald-Pfad – Nr. 50 – 12 km; Wildnis-Trail – Nr. 49 – 17,5 km und Georgi-Panoramaweg – Nr. 51 – 13,5 ), der Saar-Hunsrück-Steig mit Etappe 5 und 6, fünf Heilklimawanderwege und ein Netz aus 140 Kilometer Wander- und Spazierwegen (We 1 bis We 13) bieten für alle Ansprüche abwechslungsreiche Touren. Wir haben vor allem früh Morgens die direkte Umgebung auf diversen Wegen mit den Hunden erkundet. Herrlich! Über die Traumschleife Hochwald-Pfad gibt es einen Extra-Blogbeitrag.

Campingplatz Schwarzwälder Hochwald – im Reich des Gartenrotschwanzes

Vor etwa anderthalb Jahren haben Melli und Uwe die Pacht des Campingplatzes Schwarzwälder Hochwald übernommen. Melli betreibt die Campingklause, die sich direkt am Campingplatz befindet. Uwe ist der Platzwart und kümmert sich um die Belange der Dauer- und Tourismuscamper sowie um die Pflege des Platzes. Schon bei der Reservierung hieß es: „Ihr braucht nix anzahlen, kommt einfach. Bezahlt wird am Tag der Abreise.“ Schön, wenn es so herrlich unkompliziert geht.

Der Platz war gepflegt, die Stellplätze großzügig bemessen und durch das leicht abschüssige Areal terrassenartig angelegt. Nachts gingen wir mit den Rufen des Fuchses zu Bett und wurden morgens in aller Frühe von den Rufen des Gartenrotschwanzes, der auf dem Platz sein Revier hatte, geweckt. Ansonsten herrschte nachts absolute Stille. Hundefreundlich ging es dort auch zu. Viele Camper hatten ihre Vierbeiner dabei. Die Campingplatzbetreiber sind auch Hundebesitzer.

Viel Platz für mein verblichenes Zelt und den Camping-Ateca.

Die Sanitärräume hätten für meinen Geschmack sauberer sein können. Es wurde zwar jeden Tag geputzt, aber die Ablageflächen, die Armaturen und die Spinnweben sträflich vernachlässigt. Bei uns nennt man das „Kölsche Wisch“ oder „die Ecken rund putzen“. Nun bin ich in der Hinsicht auch extrem pingelig. Vielleicht sieht ein anderer das weniger eng.

„Camping-Klo-Tourismus“

Apropos Sanitäranlagen. Während unseres Urlaubs auf dem Platz, konnten wir einen gewissen Camping-Klo-Tourismus beobachten, den ich so noch nirgends erlebt habe. Weil es etwas abschüssig auf dem Platz ist, kamen die Camper von oben mit dem Auto zu den unten gelegenen Sanitäranlagen gefahren. Wie verrückt ist das denn bitte!? Mit dem Fahrrad machen wir das auch schon mal, wenn’s was weiter zum Klo ist. Aber mit dem Auto!?! Das hat zuweilen etwas genervt, den fußfaulen Rentnern bei der Klo-Fahrt zuzusehen.

Nichtsdestotrotz würde ich auf dem Campingplatz Hochwälder Schwarzwald wieder Urlaub machen. Uwe und Melli waren immer freundlich und sehr darauf bedacht, es den Campern an nichts fehlen zu lassen. Melli fährt jeden Morgen Brötchen im Ort holen, die man am Vortag bei ihr in der Campingklause bestellen kann. Am Anfang hat es wegen kleinerer Dialekt-Probleme zwar nicht ganz mit der Bestellung hingehauen, aber Melli hat das auf ihre Art wieder wettgemacht. Zudem war es sehr praktisch, bei ihr in der Klause ein frischgezapftes Bier oder ein anderes kühles Getränk zu bekommen, dass wir auch mit auf den Platz nehmen konnten. Essen kann man bei Melli übrigens auch. Ein Speiseplan für die Woche hängt am schwarzen Brett aus.

Einen Mojito gab’s zum Urlaubseinstand vom Campingplatzbetreiber spendiert. Cool!

Mondstein Schmuck & Mode – der wohl schrillste Laden von Weiskirchen

Im Haus des Gastes sind wir auf den Laden „Mondstein“ aufmerksam geworden. Christa Heck verkauft dort Schmuck mit dem gleichnamigen Edelstein. Ringe, Ketten, Armbänder, Ohrringe und andere handgemachte Accessoires gibt es in ihrem Laden – auch mit anderen Edelsteinen. Klar, dass wir ihr einen Besuch abstatten mussten.

Etwas irritiert standen wir schließlich vor einem Wohnhaus. Davor stand ein dickes Sofa neben einem Holzstapel, drum herum jede Menge Klimbim. Etwas merkwürdig war es schon, dass Wohnhaus zu betreten. Eine Klingel kündigte uns an. Und da stand sie plötzlich vor uns: Christa Heck. Eine schlanke große Frau, mit weißen Haaren, die sie locker hochgesteckt hatte. Auf den Kopf trug sie eine rote Lesebrille, sie selbst war in eine bunte Lage von diversen Stoffen gehüllt. Auf Anhieb war mir sie sympathisch.

Die Weiskirchenerin hatte wirklich tolle und ausgefallene Schmuckstücke in ihrem kleinen Geschäft, die sie uns in aller Ruhe zeigte und anprobieren ließ. Mit einer Kette und einem Paar Ohrringe ging ich aus dem Mondstein Laden heraus – mit dem Ziel am nächsten Tag nochmals wiederzukommen, um die ausgefallene Mode in dem charmant-schrillen Laden genauer zu studieren, die Christa Heck ebenfalls anbietet.

Ich will jetzt nicht zu weit ausholen. Die 57-Jährige hat es verstanden, mich perfekt zu beraten und mir genau die Dinge aus den Regalen und von den Ständern zu holen, die mir gefielen, zu meinem Typ und meiner Figur passten. Mit einem leckeren Espresso intus und etwa anderthalb Stunden später, kehrte ich mit einer dicken Einkaufstasche zum Campingplatz zurück. Wer also mal in Weiskirchen ist, sollte unbedingt bei ihr vorbeischauen. Es ist ein Erlebnis, selbst wenn man nur einmal gucken möchte.

Fazit

Wie ihr diesem langen Beitrag entnehmen könnt, hat es mir im saarländischen Weiskirchen sehr gut gefallen. Ohne zu überlegen, würde ich sofort wiederkommen. Für mich stimmt der Mix aus Angeboten vor Ort, die Ruhe, die Landschaft, die Leute und die schier unerschöpflichen Möglichkeiten mit Hund zu wandern. Meinen Eltern habe ich auch mit Begeisterung von meinen Saarland-Erfahrungen erzählt und direkt angesteckt. Sie wollen jetzt auch mit Freunden im Juli den Norden des kleinen grünen Bundeslandes erkunden, das zurecht mit grenzenlosem Charme wirbt.

Mein kleiner Wanderfreund Cabo.

1 KommentarLeave a comment

  • Hach, das Saarland! Dieses Fleckchen Erde hat man leider viel zu selten auf dem Schirm. Dabei hat es so viel zu bieten, wie man an den tollen Fotos sieht. Natur pur. Für Wanderfreunde mit Hund scheinbar auch eine Reise wert. Danke, liebe Silvana für diese schönen Einblicke – die Region findet auf jeden Fall auch einen Platz auf meiner Reiseliste 🙂

    Viele Grüße

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