Kalte Schnauze – Hundeblog

Willkommen zu Hause, Javi!

Seit sechs Wochen lebt Javi bei mir. Es wird Zeit, ihn euch endlich vorzustellen. Warum ich das erst jetzt mache? Zum einen hatte ich ein schlechtes Gewissen Cabo gegenüber. Er sollte hier noch ganz viel Platz bekommen, damit er nicht vergessen wird. Zum anderen war es zu früh, euch etwas über Javi zu erzählen. Dafür kannte ich ihn schlicht zu wenig.

Nun sind sechs Wochen seit Javis Einzug am Samstag, 24. November 2018, vergangen. Ich weiß jetzt, dass ich Cabo gegenüber kein mulmiges Gefühl haben muss. Es gibt noch viel über ihn zu schreiben, ich trage ihn stets in meinem Herzen bei mir, und er wird für mich immer unvergessen bleiben. Denn Seelenhunde begleiten uns ein Leben lang.

Blind-Date, Speed-Dating und Kennenlern-Urlaub

Nach dem Blind Date im Internet folgte zu Hause unser Speed-Dating und im Anschluss unser Kennenlern-Urlaub im Allgäu. Es waren sechs intensive und sehr, sehr emotionale Wochen. So ein Gefühlschaos habe ich ewig nicht erlebt. Ich war gelähmt von der Trauer um Cabo und gleichzeitig getrieben vor Sorge, um Javi. Bekomme ich das Okay für ihn vom Tierschutzverein? Wird er die lange Reise von Spanien nach Deutschland gut überstehen? Wie wird er sich bei mir einfinden? Und wird er mich überhaupt mögen?

Damit es für euch kein Durcheinander wird, werde ich euch fünf Fragen zu Javi beantworten:

Wo kommt Javi her?

Javi ist ein Spanier. Er stammt von der Costa Blanca auf dem Festland und hat im Tierheim Vedama in Oliva – zwischen Valencia und Alicante – auf seine Vermittlung gewartet.

Wie bin ich auf Javi gestoßen?

Auf der Seite des Tierschutzvereins Denia Dogs e.V. bin ich auf Javi aufmerksam geworden. Meine Mutter kam auf die Idee, dort nach einem Hund zu suchen. Warum? Weil Cabo aus der Nähe von Denia stammt. In Javea am Cabo de la Nao habe ich ihn vor mehr als zehn Jahren als Welpen von der Straße aufgelesen und ihm ein Zuhause gegeben.

Bevor ich nach Vermittlungshunden bei Denia Dogs gesucht habe, habe ich die Internetseiten der hiesigen Tierheime durchforstet und habe mir auch andere Tierschutzvereine, die im Ausland aktiv sind, angesehen. Doch irgendwie war kein Hund dabei, der mich auf den ersten Blick ansprach.

Bei Javis „Bewerbungsfoto“ bin ich sofort hängen geblieben. Mich hat sein Blick sehr an Cabos erinnert. Auch wie er da so saß hatte große Ähnlichkeit mit einem Foto, das ich damals von Cabo gemacht hatte, nachdem ich ihn fand.

Denia Dogs beschrieb Javi folgendermaßen:

„Hallo liebe Welt,
ich bin der Sammy, ein ganz tolles Hundekind, das Euch heute den Kopf verdrehen möchte. Ihr könnt es ruhig zugeben, meine Fotos lassen Euch nicht mehr los ? Wer kann meinem strahlendem Lächeln schon widerstehen und ich verspreche ein wunderschöner tricolor farbender großer Rüde zu werden. Mit Volldampf möchte ich Eure Familie erobern, ich lasse meine ganzen Charme spielen und glaubt mir, auch mein liebes Wesen wird Euch begeistern.
Ich bin ein aufgeschlossener junger Hund, dem Menschen sehr zugetan, offen, freundlich und anhänglich. Wie es sich in meinem Alter gehört, spiele ich für mein Leben gerne, ich bin neugierig und voller Abenteuerlust. Menschen sind klasse und das schließt auch Eure Kinder mit ein, ich bin so ein liebes Bürschchen und werde ein klasse Kamerad sein. Ich mag Hunde und auch Katzen, ich komme mit allem und jedem gut aus.
Natürlich muss ich noch alles lernen, ich werde ein großer Bub und mein Tatendrang muss in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Unter Eurer Anleitung werde ich schnell begreifen und wenn wir eine Hundeschule besuchen werde ich Euch sicher nicht blamieren.
Also liebe Leute, schlägt Euer Herz immer höher? Hopp ans Telefon und fragt nach Sammy.“ (Quelle: Denia Dogs e.V.)

Wie verlief die Vermittlung?

Noch am selben Tag als ich Javi im Internet gesehen habe, nahm ich mit Denia Dogs bzw. Javis Vermittlerin Kontakt auf. Schon in meiner ersten Mail habe ich meinen kompletten Hundehalter-Lebenslauf beschrieben, von Cabos Tod erzählt, von unserem Blog und unseren Abenteuern.

Bereits einen Tag später kam ein vierseitiger Fragebogen (Selbstauskunft) als PDF per Mail, den ich noch am selben Abend gewissenhaft ausfüllte und wieder an Javis Vermittlerin zurück sendete. Dort wurden mit Fragen gestellt wie „Welche Eigenschaften darf der Hund auf keinen Fall mitbringen?“, „Welche Vorstellungen haben Sie von Ihrem zukünftigen Hausgenossen?“, „Wo wohnen Sie?“, „Zweck der Tierhaltung“ und „Was wäre für Sie ein Grund zur Abgabe?“

Ich gebe zu: Bei manchen Fragen wusste ich nicht so recht, was ich antworten sollte. Aus welchem Grund, sollte ich einen Hund abgeben? Und was bitte schreibe ich, bei den Eigenschaften, die er nicht mitbringen soll? Kann ich das so genau definieren?

Direkt am nächsten Morgen kam, wie am Vorabend angekündigt, der Anruf von Denia Dogs. Welche Fragen ich zum Hund hätte, ob ich über die Mittelmeerkrankheiten Bescheid weiß, was mir Sorgen bereitet, ob ich mir im Klaren darüber bin, dass ein Junghund wie Javi viel Arbeit macht, und ich dazu bereit bin, diese auf mich zu nehmen etc.

Es wurden auch schon mögliche Transporttermine genannt. Denn zu diesem Zeitpunkt war Javi noch in Spanien und nicht in Deutschland auf einer Pflegestelle.

Während des Gesprächs fiel oft das Datum Samstag, 17. November. Und irgendwie versteifte ich mich auf diesen Termin. Es war für mich zu diesem Zeitpunkt einfach unerträglich, ohne Hund zu sein. Mein kompletter Tagesablauf war ohne Cabo aus den Fugen geraten.

Doch: ohne Vorkontrolle, kein Okay vom Tierschutzverein.

Denia Dogs hat in ganz Deutschland ehrenamtliche Mitarbeiter, die Hunde vermitteln und gleichzeitig auch die Vorkontrolle im potenziellen Zuhause des Vierbeiners machen.

Es ist auch so, dass sich Tierschutzvereine untereinander helfen – so wie in meinem Fall. Durch Cabo habe ich Ursula Thelen und ihren Futterhof – Bobtailfix in Schwalmtal kennengelernt. Ursula ist in der Bobtailnothilfe aktiv und bat mir an, für Denia Dogs die Vorkontrolle bei mir durchzuführen.

Nach Abstimmung mit Denia Dogs durfte Ursula Thelen zur Tat schreiten. Noch in derselben Woche kam sie zu mir nach Hause und prüfte meine Angaben in der Selbstauskunft auf Herz und Nieren. Ursula stellte mir auch unangenehme Fragen. Zum Beispiel ob mein Handeln nicht eine Kurzschlussreaktion auf den plötzlichen Verlust von Cabo sei? Ob ich nicht lieber noch etwas warten sollte, bevor ich einem neuen Hund ein Zuhause gebe usw. Im ersten Moment war ich etwas perplex. Im Nachhinein waren ihre Fragen durchaus legitim. Ich möchte nicht wissen, was Tierschutzvereine bei der Vermittlung schon alles erlebt haben.

Es dauerte keinen Tag, da bekam ich von Denia Dogs das Okay für Javi. Auf den Schutzvertrag sowie eine ausführliche Vermittlungsmappe habe ich ein paar Tage länger gewartet.

Auf Javi musste ich dann auch länger als gehofft warten. So kam er nicht schon am 17. November 2018 mit dem Transporter aus Spanien in Neuss an, sondern am 24. November in Rösrath bei Köln. Dazu werde ich wahrscheinlich noch einen separaten Blogbeitrag schreiben. Das sprengt an dieser Stelle den Rahmen.

Wie ist Javi so drauf?

Javi wurde als aufgeschlossen, menschenbezogen und verspielt beschrieben. Das stimmt nur zum Teil. Ihn als menschenbezogen zu charakterisieren, geht mir aktuell noch etwas zu weit. Er hat großen Respekt vor Männern. Die sind ihm zunächst gruselig. Meinen Vater hat er anfangs regelmäßig angebellt, ist ihm aus dem Weg gegangen und Futter hat er von ihm gar nicht angenommen. Er war stets auf der Hut und traute dem Braten (Trockenfutter) in seinem Napf nicht so recht, den mein Vater ihm an seinem Platz servierte.

Zu mir hatte er sofort einen Draht. Das lag einfach daran, dass ich seine erste Bezugsperson in Deutschland war und mit ihm nach der Übergabe in Rösrath auf der Rückbank meines Autos gesessen und ihn gehalten habe, damit er entspannen konnte.

Mit Frauen wird Javi sehr schnell warm und geht offen auf sie zu. Die sind vom Körperbau nicht so kräftig und brummeln auch von der Stimmlage nicht so wie Männer. Zu meiner Mutter hat er auch recht schnell Vertrauen gefasst.

Ob ich ihn als aufgeschlossen beschreiben würde, weiß ich auch nicht. Es gibt viele Dinge, die er überhaupt nicht kennt. Draußen beim Spaziergang hat er zwischendurch immer wieder Stress und ist nervös. Es gab bisher zwei Situationen, in denen er sich fürchterlich erschrocken hat und ohne doppelte Sicherung an Halsband und Leine bestimmt geflüchtet wäre. Es ist jedoch so, dass er sich auf alles einlässt, das ich ihm zeige. Das finde ich super und darauf können wir aufbauen.

Mittlerweile vermute ich, dass Javi bei Menschen gelebt haben muss. Denn er fährt zum Beispiel im Auto mit wie ein Profi. Kein Stress, kein Übergeben nur gucken oder schlafen. Mehr hat er aber von diesen Menschen oder dem Menschen nicht gezeigt bekommen. Anfangs hat er sich zum Beispiel vor der Klospülung oder dem Fön erschrocken. Er wurde glaube ich in seinen ersten Monaten stark vernachlässigt. Jetzt liegt es an mir, ihn für meinen Alltag fit zu machen.

Außerdem haben ihm seine Vorbesitzer keine Grenzen gesetzt und keine Regeln aufgestellt. Wahrscheinlich führte das dazu, dass Javi irgendwann im Tierheim gelandet ist. Ob er gefunden oder dort abgegeben wurde, weiß ich allerdings nicht. Dass er keine Grenzen kennt, mache ich daran fest, dass er meine Grenzen schon mal motzig mit einem hohen Beller kommentiert. Wie ein bockiges Kind. Bleibe ich konsequent, nimmt er meine Grenzen gut an. Ich merke, dass ihm das gut tut und ihm dabei hilft, anzukommen. Es wird aber noch viel Arbeit auf uns zukommen.

Dass er verspielt ist, kann ich so unterschreiben. Typisch Junghund eben. Aber auch das will in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Da ist er noch recht übermütig.

Momentan lernt er von mir bei verschiedenen Spielen, seine Nase zu benutzen. Und am Apportieren hat er Spaß. Er begreift aber nur langsam, dass er mir das Zergel auch geben muss, damit ich es erneut werfen kann. Aber mit Geduld bekommen wir das hin.

Wie ist Javi zu seinem Namen gekommen?

Denia Dogs hat ihn Sammy getauft. Darauf hat er aber noch nicht gehört. Ich wollte unbedingt einen spanischen Namen für ihn haben. Immerhin ist er Spanier. Mal abgesehen, dass jeder 3. Hund bei uns in der Gegend Sammy heißt. Wegen Cabo habe ich einen spanischen Namen gesucht, der nicht auf „o“ endet.

Wer sich etwas mit der spanischen Sprache auskennt, der weiß, dass das schwierig ist, einen männlichen Vornamen zu finden, der nicht auf „o“ endet. Meine beste Freundin hat den Namen Javi vorgeschlagen. Wie der spanische Fußballer Javi Martinez zum Beispiel. Wobei ich nix mit Fußball am Hut habe.

Javi ist die Kurzform von Javier und bedeutet u.a. neues Haus. Das fand ich schön und passend. Problem: Javi kann kaum einer aussprechen. Chavi. „Ch“ so gesprochen, als ob man was im Hals hat. Aber bei Cabo hat man mich damals auch komisch angesehen. Mit dem Namen konnte der Rheinländer auch nix anfangen.

Habt ihr noch Fragen zu Javi?

Was möchtet ihr gerne noch über ihn wissen? Über die Vermittlung oder den Transport? Über unsere erste Zeit zusammen? Schreibt mir eure Fragen gerne in die Kommentare.

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Liebe Silvana, ich habe erst jetzt gelesen, dass Cabo nicht mehr bei dir ist. Nachträglich mein tiefstes Beileid. Ich habe ihn ja kennengelernt als so so lieben und lustigen und aufgeschlossenen mutigen Kerl … unvergessen sein Bellen, wenn er spielen wollte. Es freut mich sehr, dass du dich entschlossen hast, so bald wieder einen Hund aufzunehmen. Als Luna damals starb, dachte ich jeden Tag etwas anderes, was sag ich, jede Stunde. Von NIE MEHR HUND zu SOFORT WIEDER HUND … und dann habe ich es auch nur drei Monate ausgehalten … Und ich hatte am Anfang in meinem Hundeblog ein komisches Gefühl … aber mit so einem Neuling gibt es auch wieder ganz neue Themen. Ich wünsche euch beiden von Herzen ein schönes und langes und fröhliches Miteinander.

    • Danke Shirley! Vor allem für die schönen Worte über Cabo. Jeder hat etwas anderes in ihm gesehen oder mit ihm verbunden. Das ist sehr schön. Denn überall finde ich auch das wieder, was ich in ihm gesehen habe. Die Wochen ohne Cabo sind für mich nach wie vor unglaublich schwer. Unsere gemeinsame Zeit ist wie ein Bestseller, den ich nicht zur Seite legen mag und kann, um ein neues Buch anzufangen. Dabei steckt im Neuen immer ein Anfang für weitere schöne Geschichten.

  • Liebe Silvana, es freut mich dass du einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert hast. Ich musste schmunzeln, 2013 haben wir auch einen Fragebogen ausgefüllt und uns über so manche Frage gewundert. Wir hatten damals einen Angsthund, auch aus Spanien, adoptiert (nein, man hatte uns nichts Falsches über unseren Telmo erzählt). Heute stelle ich bei Vorkontrollen selbst Fragen und ich muss mich wundern, wenn ich selbst z. B. gefragt werde, ob der Hund für den man sich interessiert, auch stubenrein ist, schon gut an der Leine laufen kann und die Leute ansonsten kaum etwas über ihn oder unsere Organisation wissen wollen.

    Unser Telmo hatte die ersten 9 Monate seines Lebens zusammen mit und teilweise auch gegen 24 Artgenossen versucht zu überleben, Menschen hatte er nur als Wesen kennengelernt, denen man besser aus dem Weg geht wenn man nicht geschlagen, getreten oder sonst wie misshandelt werden will. Ein paar Sachen die du von Javi beschreibst, kennen wir von ihm, teilweise in wesentlich verstärkter Form. Obwohl wir in den ersten Monaten mit zwei Trainerinnen an seiner Angst gearbeitet haben kann ich sagen, von ihm haben wir im Laufe der Zeit noch mehr gelernt als von ihnen (und es waren wirklich gute Trainerinnen).
    Wie hatte man uns gesagt, „ihr bestimmt den Weg, Telmo das Tempo“. Genau so ist es dann auch gewesen. Und so anstrengend das erste Jahr mit ihm auch war, wir wollen keine Minute davon missen denn diese Zeit war mitverantwortlich für die starke Bindung die heute zwischen ihm und uns besteht.
    Ich wünsche dir tolle Jahre mit Javi, je genauer du hinsiehst, je mehr hat er dir von der Welt so wie er sie sieht und erlebt zu erzählen.

    Herzliche Grüße
    Christoph

    • Hi Christoph, ganz lieben Dank für deinen Kommentar. Ich habe glaube ich beim Telefonat auch gefragt, ob Javi stubenrein ist. Ich war so aufgeregt – wie bei einem Bewerbungsgespräch. Javi ist mein erster Hund, den ich nicht vom Welpen an habe. Das ist eine Umstellung für mich. Schön finde ich den Satz „Ihr bestimmt den Weg, Telmo das Tempo“. So werde ich es mit Javi auch machen. Dein Kommentar macht mich zumindest zuversichtlich.

      Viele Grüße
      Silvana

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