Kalte Schnauze – Hundeblog
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Es mag vermessen klingen, das Amazonasgebiet mit dem mächtigsten Fluss der Erde und dem weltweit größten zusammenhängenden tropischen Regenwald auf die Eifel zu übertragen. Doch wer sich Luftaufnahmen des Amazonas und der malerischen Landschaft um den Obersee zwischen Einruhr und Rurberg im Nationalpark Eifel anschaut, kann – zumindest im Kleinen – Parallelen erkennen. Ähnlich wie sich der Amazonas durch Südamerika schlängelt, windet sich die Rur im Nationalpark Eifel durch die Höhenzüge des Kermeters.

Eifel statt Brasilien

Anstatt ein teures Ticket für Brasilien zu lösen, haben wir uns am Ostersamstag ins 100 Kilometer entfernte Örtchen Rurberg aufgemacht, das zur Gemeinde Simmerath gehört, und in ein Tagesticket für vier Euro investiert. Unser Ziel war die Wasserlandroute, die wie die Heckenland- und Struffeltroute, ein Partnerweg des Eifelsteigs ist.

Offiziell startet die Wasserlandroute ab Einruhr. Ich hatte mich aber dafür entschieden, die Tour in der Mitte zu beginnen. Auf dem gebührenpflichtigen Wanderparkplatz in Rurberg stellte ich meinen roten Flitzer ab, der dort mutterseelenallein stand.

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Ganz alleine haben wir den roten Flitzer für 6 Stunden zurückgelassen.

Es war schon etwas seltsam, zum Parkautomaten zu gehen, um ein Ticket zu ziehen. Wer sollte bitte hier ein einzelnes Auto kontrollieren?! Doch ein Knöllchen wollte ich auch nicht riskieren und legte brav das gelöste Parkticket gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe meines Autos.

Am Naturfreibad Rurberg vorbei machte ich mich mit meiner Entourage auf die Suche nach dem grünen Logo mit der blauen geschlängelten Linie, das uns für 17 Kilometer und sechs Stunden begleiten und den Weg leiten sollte.

Auf dem Paulushof-Absperrdamm wurden wir sofort fündig und konnten die ersten tollen Wasserblicke auf den Rurstausee zur linken und den Zusammenlauf von Urft und Rur zur rechten Hand genießen. Das dortige Wasserwerk versorgt die umliegenden Orte in der Nordeifel mit Trinkwasser.

Auf dem Damm war jede Menge los

So zog das herrliche Wetter an diesem Ostersamstag nicht nur Wanderer nach draußen, sondern auch Familien mit Kindern und Fahrradfahrer. Richtig so!

Trotzdem hoffte ich, dass das Getümmel uns nicht auf der ganzen Wanderung begleiten würde. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass die Mamas mit ihren Kinderwagen ebenfalls 17 Kilometer marschieren wollten. Wie sich später zeigte, sollte ich Recht behalten.

Als wir den Paulushof-Damm überquert hatten, wurden wir vom Schild „Nationalpark Eifel“ begrüßt und gingen eine Weile auf dem Urftseerandweg entlang, der so breit ist, dass er Spaziergängern, Wanderern und Fahrradfahrern ausreichend Platz bietet, ohne sich großartig in die Quere zu kommen.

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Auf dem Uferseerandweg der Wasserlandroute.

Auch wenn ich lieber in Ruhe, ohne viele Menschen um mich herum wandere, war ich trotzdem angetan von den ersten vier Kilometern, die immer wieder tolle Blicke auf den Obersee und die vielfältigen Felsformationen und Wälder bereithielten.

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Einer von vielen schönen Seeblicken der Wasserlandroute.

Als wir an der Ufttalsperre ankamen, war mir sofort klar, welches Ziel die Familien mit ihren Kindern hatten. Dort oben, auf der 58 Meter hohen Staumauer, lässt es sich nicht nur im Ausflugslokal „Urftseemauer“ bei einer leckeren Mahlzeit gemütlich sitzen, sondern man kann auch einiges über die zwischen 1900 und 1905 erbaute Urfttalsperre erfahren.

Ich habe nur ein paar Fotos von der Szenerie gemacht und bin schnell weiter zur Staumauer, um dem Tumult aus dem Weg zu gehen. Ich bin kein Freund von Menschenansammlungen. Wer mehr über die Urfttalsperre erfahren möchte, klickt hier.

Dafür liebe ich Ausblicke wie diese
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Die Wasserlandroute: Obersee links und Urfttalstaumauer rechts.

Am Ende der Urfttalsperre ging es durch ein Eisentörchen hindurch und einen verwurzelten, schmalen Pfad zum Eifelsteig hinunter. Schlagartig kehrte Ruhe auf der Wasserlandroute ein. Denn ab dem Eifelsteig sind die Wege für Kinderwagen und Sambapuschenträger nicht mehr geeignet. Für mich begann ab diesem Abschnitt die Wanderung erst richtig – auch für Cabo, der endlich von der Leine durfte.

An einem sonnigen Uferplätzchen haben wir schließlich eine Rast eingelegt, um unseren Hunger zu stillen und ein paar alberne Fotos mit dem Selbstauslöser meiner Kompaktknipse zu machen.

Weil noch etliche Kilometer vor uns lagen, gingen wir zügig weiter – immer begleitet von herrlichen Blicken auf den Obersee und abwechslungsreichen Wegen, die zum Verweilen einladen. Besonders an diesem Tag wurden die sonnigen Plätze rege genutzt, um nach einer langen Durststrecke endlich wieder Vitamin D zu tanken.

Der Eifelsteig führte uns noch ein wenig durch den Wald bis wir die Dreiborner Hochfläche, einen ehemaligen Truppenübungsplatz, erreichten. Nachdem 2005 dort das Militär abgezogen war, wurde die Hochfläche zum öffentlichen Teil des Nationalparks Eifel erklärt. Um diese Offenlandfläche zu erhalten, wird sie ein- bis zweimal im Jahr gemäht oder von Wanderschafherden beweidet. Momentan wird die Dreiborner Hochfläche aber nur von Wildschweinen beackert, die die Grünflächen großzügig durchwühlen.

Nach einer scharfen Linkskurve durchquerten wir einen dichten Nadelwald, dem ein erster nennenswerter Anstieg hinauf in Richtung Einruhr folgte. Immer wieder gab es schöne Ausblicke auf den Obersee unterhalb von uns.

Oberhalb von Einruhr folgten wir weiter der Beschilderung des Eifelsteigs und der Wasserlandroute, die uns mit einer scharfen Rechtskurve den Hang hinab durch Einruhr den Weg wies. Doch irgendwie fanden wir keine Logos mehr und meine Komoot-App auf dem Smartphone zickte auf einmal auch herum. Also Route neugestartet und zurück auf den richtigen Weg. Gefunden haben wir ihn erst im historischen Ortskern von Einruhr, der mir ganz gut gefiel.

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Die Kirche von Einruhr.

Was mir dort jedoch extrem aufgefallen war, war der Lärm, den Motorräder, die durch das Tal fahren, verursachen. Ich kann mir vorstellen, dass das für die Einwohner alles andere als angenehm ist. Fluch und Segen liegen in schönen Tälern oftmals nah beieinander.

Ein kleines Stück ging es für uns am Ufer des Obersees an der L 128 vorbei bis wieder ein kurzer Anstieg vor uns lag, der uns zu einer Weide und wieder zum Obersee führte. Von dort aus wurde der Weg mal schmaler mal breiter und bot viel Abwechslung fürs Auge.

Am Ende unserer Wanderung durften wir noch mal ein wenig kraxeln, denn es ging einen letzten schmalen und steilen Pfad hinauf, der uns zunächst durch einen Wald führte und wenig später zurück zum Paulushof-Damm in Rurberg brachte. Ein paar letzte Fotos nehme ich noch vom Örtchen mit, bevor wir den Amazonas der Eifel wieder verlassen und gut erholt nach Hause düsen.

Mein Fazit

Ich bin ganz unvoreingenommen an die Wasserlandroute herangegangen. Klar, Wasser ist immer schön und vor allem bei Sonne ein wahrer Menschenmagnet. Darum hat es mich auch nicht sonderlich gestört, nicht allein auf dem Wanderweg gewesen zu sein. Da ich am Wochenende kein Frühaufsteher bin, muss ich mit den damit verbundenen Konsequenzen leben. 😉

17 Kilometer am Wasser entlang zu wandern, stellte ich mir jedoch nicht so variabel vor. Die Wasserlandroute hat mich eines besseren belehrt. Obwohl wir „nur“ um den Obersee gewandert sind, gab’s jede Menge zu sehen und immer wieder Neues zu entdecken.

Wenn ihr mit euren Hunden die Wasserlandroute wandern möchtet, nehmt ausreichend Wasser mit. Es gibt am Obersee kaum Stellen, wo eure Hunde direkt ans Wasser können.

Zusammenfassend war die Wasserlandroute für mich eine kurzweilige 17 Kilometer lange Wandertour, die besonders in den Wintermonaten viele tolle Ausblicke bereithält. Es war nun mein dritter Partnerweg des Eifelsteigs, und auch dieser hat mir gut gefallen. Prädikat „nachwandernswert“!

INFOS

Infoseite der Wasserlandroute

Karte inklusive GPS-Track

Strecke circa 17 Kilometer

Gehzeit etwa 6 Stunden

Partnerweg des Eifelsteigs, Etappe 4

9 CommentsLeave a comment

  • Liebe Silvana

    jetzt legst du aber los, mit Fotos.
    Klasse.
    Das ist wirklich eine beeindruckende Sammlung.

    17 km, ich hoffe die schaffe ich auch bald wieder.

    Eien lieben Ostermontagsgruß sendet dir
    Elke

    • Wie heißt es doch so schön: Nicht kleckern, sondern klotzen. 😉
      Dabei hatte ich nur meine Kompaktkamera dabei. Es war ein Versuch, ob’s auch ohne eine geliebte Spiegelreflex geht. Ich bin mit dem Ergebnis zumindest zufrieden. Gebe der PowerShot S120 noch mal eine Chance. Denn ich habe es gestern sehr genossen, die schwere Kamera nicht auf den 17 Kilometern am Hals baumeln zu haben.
      Generell sind 17 Kilometer schon eine Ansage. Seit ein paar Woche gehe ich einmal pro Woche zum Spinning, um fitter zu werden. Ich habe mir während der Wanderung zumindest eingebildet, davon schon etwas zu spüren.

      Einen lieben Ostergruß an dich zurück und komm bald wieder richtig auf die Beine!

      Silvana

  • Hallo Silvana, danke für deinen aufschlussreichen Bericht unserer Wanderung, denn dieses umfassende Hintergrundwissen hatte ich natürlich mal wieder nicht. Ich kann nur bestätigen, dass sich auch diese Wandertour lohnt, aber die Fotos sprechen ja auch für sich. Eine kleine, allerdings sehr persönliche Anmerkung kann ich mir nicht verkneifen: Dieses Mal war ich ganz schön geschafft, aber das war am nächsten Tag schon wieder vorbei. Fazit: Schön war’s und ein toller Einstieg in die Wandersaison!!

    • 17 Kilometer für den Anfang sind auch eine Hausnummer. Da darfst du auch geschafft sein. Ich war ja schon etwas öfter dieses Jahr unterwegs. Aber jetzt geht die Wandersaison erst richtig los und ich freue mich schon darauf, viele kleine Auszeiten mit euch in der Natur zu erleben.

      LG Silvana

    • Ja, das habe ich auch gedacht, Birgit. Ich stelle mir den Eifel-Amazonas auch ganz bezaubernd im Herbst vor. Indian Summer vor der Haustür. Aber nun lassen wir erstmal dem Frühling den Vortritt. 🙂

      Liebe Grüße
      Silvana

  • Oh wie schön die Eifel doch ist! Vielen Dank für einen neuen Blick. Haben sie schon die Kuhschellenblüte im Lampertstal bei Blankenheim auf der Liste? Dauert noch ein bisschen, aber sehr empfehlenswert.
    Freue mich schon auf die nächsten Beiträge.

    • Liebe Frau Liebeler,
      nein, die Kuhschellenblüte im Lampertstal bei Blankenheim habe ich noch nicht auf meiner Liste. Jetzt, nach Ihrem Tipp, aber ganz bestimmt. Herzlichen Dank dafür!

      Viele Grüße
      Silvana Branbenberg

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