Kalte Schnauze – Hundeblog

Oh, wie schön ist Gelderland*

„Javi und ich fahren nach Holland mit dem Wohnwagen“, erzähle ich einer Bekannten, die ich morgens beim Bäcker treffe. „Ach, wie schön! Da könnt ihr euch an der See richtig abkühlen!“

„Nein, ich fahre nicht an die Nordsee. Es geht nach Gelderland“, antworte ich.

Stille. Die Augenbrauen meiner Bekannten ziehen sich zusammen. Ich erkenne zwei Falten, die sich auf ihrer Stirn bilden.

„Ah ja …“

Damit ist das Gespräch beendet. Sie bezahlt ihre Brötchen und wünscht mir ein schönes Wochenende in diesem Gelderland.

Gut. Ich kann sie verstehen. Wenn von Holland die Rede ist, verbindet der Rheinländer automatisch Strand und Nordsee mit unserem Ländernachbar. Doch es muss nicht immer Sand und See sein. Die Niederlande hat auch abseits der beliebten Nordsee wunderschöne Ecken.

Von der Provinz Limburg habe ich bereits geschwärmt und euch ein paar Wanderungen vorgestellt. Das Gelderland grenzt direkt an – und ist mindestens genauso schön. Die Fotos auf Instagram meiner Blogger-Kollegin Carolin von „bergundflachlandabenteuer“ sind der beste Beweis.

Wer bei Google Maps nach Mini-Campings sucht, wird direkt fündig

Zwei Plätze kamen dabei in die nähere Auswahl. Beide befinden sich in der Gemeinde Berg en Dal. Nijmegen ist nur weniger Kilometer entfernt. Auf deutscher Seite ist Kleve die nächstgrößere Stadt.

Mit dem Wohnwagen ist die Gemeinde Berg en Dal von Mönchengladbach am besten über die Autobahn 61 Richtung Venlo und von dort aus über die niederländischen Autobahnen A 73 und A 77 zu erreichen. Knapp 100 Kilometer sind zu fahren, die mit Wohnwagen in einer guten Stunde zu schaffen sind.

Mit meiner Muddi und Javi ging’s zum Minicamping Wylerberg in die Ortschaft Berg en Dal. Ja, richtig gelesen: In der Gemeinde Berg en Dal gibt es einen gleichnamigen Ort.

Übrigens hat Berg en Dal zwei Postleitzahlen – ein Relikt aus alten Zeiten. Bevor 2015 die Gemeinden Groesbeek, Millingen aan de Rjin und Ubberbergen fusionierten, lag Berg en Dal zwischen Groesbeek und Ubberbergen. Doch zurück zum Minicamping Wylerberg.

Sehr spontan hatte ich an einem Dienstag angefragt, ob am Wochenende noch ein Plätzchen mit Wohnwagen frei ist. Wir hatten Glück und fuhren freitags los. Die Einfahrt zum Minicamping ist ziemlich eng. Gegenverkehr ausgeschlossen. Von Campingplatzbesitzer Johan Teunissen wurden wir freundlich empfangen und auf unseren Platz geleitet. Bei den parkenden Autos am Rande des Minicampings fiel sofort auf, dass wir die einzigen deutschen Gästen waren. Es sollte so bleiben.

Der Platz wird von Johan und seiner Frau Dorien liebevoll geführt und gepflegt. Vor allem die Hand von Dorien ist überall an den vielen stilvollen und manchmal kitschigen Details zu erkennen. Die direkte Lage zum Wald und dem Duivelsberg (Teufelsberg) lädt zum Wandern und Spazieren. So mag ich das. Schnell haben wir uns auf dem Platz eingerichtet und es uns gemütlich gemacht.

Am Wochenende gibt’s für Campinggäste einen speziellen Tarif. So kann man gegen einen kleinen Aufschlag sonntags solange bleiben, wie man möchte und muss nicht schon um 11 oder 12 Uhr runter vom Platz. Wir haben uns am Wylerberg total wohl gefühlt. Es war schön ruhig, die Umgebung hat mir sehr gut gefallen, und die Platzbetreiber waren sehr nett und hilfsbereit.

Auf dem Rückweg gab es einen kleinen Schreckmoment

Wegen einer Veranstaltung musste ich einen Umweg zur Autobahn fahren. Weil ich ohne Navi völlig die Orientierung verloren hätte, habe ich auf die gute Dame gehört, die mich durch die Gemeinde Berg en Dal leitete. Leider stand ich plötzlich in Molenhoek vor einer sehr, sehr, sehr, sehr schmalen Brücke, mehrere Autos hinter mir und auf der anderen Seite der Mini-Brücke. Umdrehen ging nicht, also Augen zu und durch.

Zum Glück ist Mr. Weinsberg nicht besonders groß, sodass wir mit Gespann so gerade über die Brücke passten. Ich sage euch, meine Beine haben ganz schön geschlottert und ich war froh, nicht alleine im Auto zu sitzen.

Lustigerweise wurde auf der Webseite des zweiten Minicampings, den ich zwei Wochen später mit Freunden ansteuerte, vor dieser kniffligen Brücke in Molenhoek gewarnt und wie man sie am besten umfährt. Doch diesmal kam ich mit dem Teil nicht in Berührung, weil wir diesmal nicht aus Norden kamen, sondern den Platz regulär und ohne Umwege von Süden anfuhren. Der Landschaftscampingplatz „De Zoete Aagt“ in Groesbeek – was frei übersetzt so viel wie Gastfreundschaft bedeutet – ist ein Stück Provence im Gelderland.

Besitzerin Marjan hat einen grünen Daumen, der sich über den ganzen Platz zieht. Überall blühen Blumen, Bäume und Sträucher. Sobald man den Platz betritt, stellt sich ein Entspannungsgefühl ein. Es gibt dort eine Orangerie, die man für Feiern buchen kann, eine Streuobstwiese, von der es Apfelsaft zu kaufen gibt, eine Wiese mit Tipis und kleine Mietunterkünfte zu denen auch zwei umgebaute Bauwagen zählen.

Die meisten Gäste sind auch dort Niederländer. Auf Deutsche trifft man eher weniger. Was auffällt, ist, dass in Gelderland trotz der Nähe zu Deutschland nichts ins Deutsche übersetzt wird, wie man es von den Provinzen an der Nordsee kennt. Ich finde das gut.

Auch vom Landschaftscamping „De Zoete Aagt“ kann man wunderbar los wandern: ob zum Wasser an die Plasmolen oder in den angrenzenden Reichswald. Direkt gegenüber des Campingplatzes gibt es einen Weinberg. Im örtlichen Supermarkt ist der Wein zu kaufen. Mit knapp 13 Euro nicht günstig, aber trotzdem lecker.

Durch den Sankt Janisberg, der von De Zoete Aagt fußläufig zu erreichen ist, ist Holland ungewohnt hügelig. Die Ecke hat mir so gut gefallen, dass ich ein weiteres Mal mit Freunden diesen Minicampingplatz besucht habe.

Hunde sind auf beiden Plätzen willkommen

Marjan hat selbst zwei, die hin und wieder den Campinggästen einen Besuch abstatten. Am Wylerberg gibt es einen extra Zugang für Hundeleute vom Campingplatz in den Wald. Sehr praktisch.

Fazit

Für mich ist das Gelderland eine sehr schöne und schnell zu erreichende Gegend, wo ich Ruhe und ausreichend Möglichkeiten zum Wandern und Energietanken finde. Es muss nicht immer holländische Küste sein. Wer trotzdem Wasser sucht, der wird in Gelderland an der Waal, der Maas, dem Nederrjin und den vielen Nebenarmen und Gewässern fündig. Einfach mal ausprobieren!

*Diesen Beitrag muss ich als Werbung kennzeichnen. Von mir ist alles selbst bezahlt worden. Es besteht keine Kooperation mit dem Gelderland oder den genannten Campingplätzen.

2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Fein geschrieben, liebe Silvana. Ich bin mit Lotta gerade in der fünften Woche in Norwegen, wo mich die Eindrücke schier erschlagen haben. Die Fähre auf den hektischen Kontinent ist für nächsten Mittwoch gebucht. 😢
    Da wäre doch ein Besuch in Gelderland vielleicht der richtige Kontrast. Danke dafür. Gruß Jürgen

  • Hallo Silvana!

    Schön, dass es Dir auf den Campingplätzen so gut gefallen hat!
    Ich bin immer wieder überrascht, was es alles vor der Haustür zu entdecken gibt!
    Dass das Gelderland super zum Radfahren ist, weiß ich ja schon lange (wobei ich da die Gegend um den Sankt Janisberg konditionsbedingt eher meide 😉 ).
    Aber die tollen Wandermöglichkeiten habe ich auch erst in den letzten Jahren mehr und mehr kennengelernt.
    Den Wein aus Groesbeek übrigens noch nicht, muss ich doch mal ausprobieren!

    Lieben Dank für die Erwähnung und viele Grüsse!

    Carolin

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