Kalte Schnauze – Hundeblog

Trauer ist ein komisches Ding

Sechs Wochen ist Cabo tot. Sechs Wochen ohne seine fröhliche Art. Ohne tägliche Spaziergänge und Kuscheleinheiten. Ohne den Geruch seiner Käsepfoten. Ohne sein weiches Fell zu berühren.

Ich begreife es noch immer nicht, was da am 29. Oktober während unserer Nachmittagsrunde passiert ist. Warum Cabo so plötzlich und auf diese grausame Art gehen musste. Eine Antwort darauf werde ich wohl nie bekommen. Ich versuche, einen Sinn darin zu finden. Frage mich, was mir das Leben mit diesem Schicksal auf dem Weg geben will. Es gibt keine Erklärung dafür. Mein kleiner Knödel ist nicht mehr da, und es schmerzt bis heute fürchterlich.

In den letzten sechs Wochen habe ich gefühlt alle Emotionen durchlebt, die ein Mensch empfinden kann. Da waren diese schrecklichen Bilder von seinem Todeskampf in meinem Kopf, die jeden Abend im Bett in meinem Kopf hochkamen. Dann die Momente, in denen ich dankbar auf unsere gemeinsame Zeit und Cabos geiles Leben zurückblicken konnte.

Er war für mich ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl und umgekehrt. Wie eine Bekloppte habe ich mich nach nur anderthalb Wochen an die Gestaltung eines Fotokalenders für das Jahr 2019 gemacht. Es war mir ein Bedürfnis. Als der Kalender zu Hause ankam, konnte ich das Paket nicht öffnen. Der Schmerz saß so tief.

Schmerz habe ich auf einmal auch gefühlt, als ich über die Dinge nachgedacht habe, die in unserer Mensch-Hund-Beziehung falsch gelaufen sind. Nicht immer war ich fair zu Cabo, habe mit den Geistern unserer Vergangenheit gekämpft, obwohl mein Herzhund sie schon längst hinter sich gelassen hatte. Vorwürfe habe ich mir gemacht und mein Körper wurde von Heulkrämpfen erfasst.

Heute fällt es mir schwer, mit anderen über Cabo zu sprechen, weil ich sofort in Tränen ausbreche

Das war anfangs nicht so. Da tat es mir gut, über ihn zu reden. Trauer ist so vielfältig – und ein komisches Ding. Das war mir vorher nicht bewusst. Das mag damit zusammenhängen, dass ich bis zu Cabos plötzlichen Tod noch nie so einen schrecklichen Verlust in meinem Leben hinnehmen musste. Cabo hat mich in unseren gemeinsamen zehneinhalb Jahren vieles gelehrt. Vielleicht ist das seine letzte Aufgabe, die er mir gestellt und mit auf dem Weg gegeben hat?

Was mich in den vergangenen sechs Wochen sehr berührt, ist eure Anteilnahme

Dass meine Familie in dieser schweren Zeit, wie ein Fells in der Brandung für mich da ist, ist ein Segen. Ohne den Rückhalt meiner Eltern, wäre ich wahrscheinlich durchgedreht.

Danke ihr 2! Ohne euch hätte ich Cabos Verlust niemals so gepackt.

Meine Freunde haben mich sehr gut aufgefangen. Vor allem aus der Hundetruppe. Wir haben zusammen gelacht, geweint und geschwiegen. So haben wir doch alle 2018 einen geliebten Hund gehen lassen müssen. Jeder auf eine andere Art. Aber dieses Schicksal verbindet uns noch mehr. Das ist schön zu sehen und tut gut. Auch wenn wir natürlich alle gut und gern darauf verzichtet hätten, loslassen zu müssen.

Bobby hat die Hundetruppe im April mit 18 (!) Jahren verlassen müssen.

Leika ist im Juni mit 14 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen.

Es haben sich Freunde aus der Vergangenheit gemeldet. Aus Cabos Jugendzeit, aus meiner Zeit im Masterstudium und sogar aus dem Auslandsstudium. Sie alle haben Anteil genommen. Das berührt mich. Eine habe ich sogar schon wiedergetroffen – und ich freue mich auf mehr.

Cabo, Basil und Amélie: Die drei sind jetzt alle wieder zusammen. Basil ist zwei Wochen nach Cabo über die Regenbogenbrücke gegangen – mit fast zehn Jahren.

Aber auch auf Facebook und vor allem auf Instagram ist die Anteilnahme überwältigend. So viele schreiben mir, wünschen mir Kraft, schicken mir ihre guten Gedanken, hören zu und drücken ihre Gefühle aus oder teilen ihr Schicksal mit mir. Das finde ich sehr schön. Social Media ist eben doch nicht nur oberflächlich.

Mich haben zwei Pakete ganz überraschend erreicht. Beide von Menschen, die ich über Instagram kenne, aber noch nie persönlich getroffen habe. Beide haben mir auf unterschiedliche Weise Trost und Mut zugesprochen, ihre Überraschungen kamen zu verschiedenen Phasen meiner Trauer – und haben mich sprachlos gemacht. Ich bin dankbar für so viel Empathie.

Instagram habe ich in den sechs Wochen sowieso für mich entdeckt, um meine Trauer zu verarbeiten. Dort poste ich regelmäßig meine Gedanken und Fotos von Cabo. Ich kann nicht sagen warum, aber auf irgendeine Art hilft mir das. Sowieso kann ich meine Gefühle schriftlich am besten ausdrücken. Auch das ist etwas, das Cabo zu Lebzeiten in mir geweckt hat und zu meinen Beruf geworden ist.

Neben all der Trauer gibt es in den sechs Wochen ohne Cabo auch einen Lichtblick

Javi, ein spanischer Streuner, den ich einen Tag nach Cabos Tod auf der Internetseite des Tierschutzvereins Denia Dogs gesehen habe. Sein Blick hat es mir sofort angetan. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, hat er mich sehr an Cabo erinnert. Auch wie er da auf dem Foto saß. Ich kann nicht sagen, was es war, aber mir war klar, dass ich diesem Junghund ein Zuhause geben will. Wie Cabo ist er von Februar – allerdings von 2018. Und er kommt ebenfalls von der Costa Blanca, nur wenige Kilometer von Cabos Heimat Javea entfernt.

Javi in seiner ersten Woche bei mir in Deutschland.

Seit zwei Wochen ist Javi (gespr. Chavi) bei mir und lenkt mich von meiner Trauer ab. Ist es okay, gleichzeitig Freude für die neue Hundeseele zu empfinden und um meinen Seelenhund zu weinen? Ja, das ist es. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Es kann kein Zufall sein,…

… dass Javi nun bei mir ist.

Nur noch eines: Ich glaube fest daran, dass mir mein kleiner Herzhund Cabo das Riesenbaby Javi geschickt hat und seine krummem Pfoten mit im Spiel waren. Die Trauer ist noch lange nicht vorbei. Sie hat mir viel Energie geraubt. Aber ich lerne, mit ihr umzugehen.

Cabo, ich habe dich lieb. Das sage ich dir jeden Tag – für immer.

22 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Ich finde es toll, dass du Cabo‘s Platz einem anderen Fellchen geschenkt hast! Anders hätte er es bestimmt auch nicht gewollt 🙂

    Du wirst so oft Gemeinsamkeiten entdecken – schließlich lebst du mit Javi, wie du es mit Cabo getan hast!

    Langsam werden die Tränen weniger, aber glaub mir: jeder der sagt, “die Zeit heilt alle Wunden“, der hat keine Ahnung! Die Zeit lehrt uns nur, mit diesen Wunden zu leben! Und das ist gut so!

  • Liebe Silvana, Du schreibst so schön, dass ich beim Lesen dieser Zeilen und Betrachten der Bilder (besonders die beiden Blick-Vergleichsbilder) nicht mehr anders konnte. Ich musste weinen. Noch immer um Cabo, aber auch aus Freude für Javi.
    Dein schönes „Hundeleben“ hat eine Fortsetzung gefunden.
    Liebe Grüße aus Bremen von Jürgen

  • Liebe Silvana,
    wieder einer Deiner ganz wunderbaren und so persönlichen Beiträge. Ich musste beim Lesen sehr an meinen Leo denken. Mein erster Ridgeback, der schon mit 3,5 Jahren gehen musste. Er ist an den Spätfolgen einer Magendrehung gestorben. Damals habe ich unter Tränen nur wenige Tage nach seinem Tod ein Fotobuch von ihm gemacht, das ich mir bis heute immer mal wieder anschaue. 4 Monate später ist Dayo bei uns eingezogen, und ich hatte anfangs oft ein schlechtes Gewissen, das ich den damals kleinen Kerl gleich so ins Herz geschlossen hatte. Aber es war und ist in Ordnung. Wenn ich von Leo erzähle, kommen mir bis heute auch nach 10 Jahren noch die Tränen. Und weisst Du was? Vielleicht haben sich Cabo und Leo irgendwo da oben schon getroffen …
    Liebe Grüße
    Martina

    • Liebe Martina,
      ganz herzlichen Dank für dein liebes Feedback und auch dafür, dass du deine persönliche Erfahrung mit mir teilst. Ich hoffe sehr, dass Cabo Leo schon kennengelernt hat und die beiden sich verstehen. Ich glaube, es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ich nicht nur Schmerz und Kummer mit Cabo verbinde, sondern dankbar bin, für unsere tolle gemeinsame Zeit, die uns niemand nehmen kann.

      Liebe Grüße zurück!
      Silvana

  • Liebe Silvana, so schoene Worte, ich kann sie so gut nachempfinden.
    Die Trauer wird bleiben, aber die Freude eben auch und sie wird schlussendlich gewinnen. Allein schon durch Javi.

  • Ich freue mich, dass Javi den Weg zu Dir gefunden hat und habe nach Deinem Bericht noch mehr Angst vor dem, was auch ich mit Socke irgendwann einmal erleben muss. Es liest sich einfach nur schrecklich und grausam. Ich will es nicht und hoffe, dass ich auch irgendwann so darüber schreiben kann.

    Ich wünsche Euch alles Gute
    Sabine mit Socke

    • Ich würde dir gerne die Angst nehmen, Sabine. Aber das kann ich nicht. Loslassen ist wohl das schwerste, war wir tun müssen in unserem Leben. Genieße jede Sekunde mit Socke, es kann so schnell vorbei sein. Wenn es eines ist, das ich mir nicht vorwerfen kann: Ich habe jeden Tag mit Cabo geschätzt und das tut mir gut.

  • Liebe Silvana,
    du hast das sehr schön und treffend geschrieben. So habe ich es auch schon erlebt. Seelenhunde vergisst man nie und sie bleiben immer in unseren Herzen. ❤️

    • Ja, Cabo wird mein Leben lang etwas ganze Besonderes für mich bleiben. Vielleicht läuft er gerade mit Stella irgendwo durch die Wälder und die beiden lassen es sich gut gehen.

  • Liebe Silvana,
    mir kommen schon wieder die Tränen, Du hast es treffend beschrieben. Unsere Jungs haben ein großes Stück unseres Herzens mitgenommen und damit müssen wir leben lernen. Sie hätten nicht gewollt das wir lange trauern und begleiten uns von oben auf unserem weiteren Lebensweg. Ich bin mir sicher, sie haben ein Lächeln im Gesicht und freuen sich über unsere felligen Begleiter. Denke nicht zu sehr über den Sinn nach, er wird sich eh erst viel später erschliessen.
    Wir drücken Dich und Javi

    • Danke, Jutta. Vielleicht wird sich mir der Sinn nie erschließen. Dann ist das halt so. Man muss wohl nicht auf alles eine Antwort bekommen. Das zu akzeptieren, fällt mir schwer, aber ich muss es. Ich hoffe sehr, dass Basil und Cabo nun wieder über die Wiesen rollen und tollen – so wie früher.

  • Seit Cabo gegangen ist, wächst die Angst vor der Leere noch viel mehr. Jedesmal wenn ich in das weiche Fell greife, die fast blinden Augen zu mir hochschauen, dann wird mein Herz so schwer vor Angst.
    Ich mag mir nicht ausmalen, was mit mir geschieht, wenn dieser Verlust irgendwann eintritt.

    Deine liebevolle Herzensnähe zu Cabo, Deine besondere Art Deine Trauer auszudrücken, geben mir mehr als Du ahnen kannst.

    Ich drück Dich und freue mich, dass ein wenig Trost in diesem jungen Begleiter für Dich da ist. In der Zeit eurer Spiele schenkt er Dir Glücksmomente, das hilft ganz sicher.

    Liebe Grüße
    Elke

    • Ich hatte mir immer gewünscht, Cabo als Opi zu erleben und ihm seine Rente so schön wie möglich zu machen. Leider wurde mir das nicht gegönnt…

      Genieße genau diese Momente, Elke, wo du Spike in sein weiches Fell greifst. Präge dir alles genau ein, es wird dir helfen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Freue dich über jeden Tag, den ihr beide geschenkt bekommt und denke nicht zu viel über das Morgen nach. Das machst du noch genug, wenn es soweit ist. Drücke mir Spike ganz lieb.

  • Vor genau einem Jahr hatten wir noch kurz Hoffung, 5 Tage später war Püps tot, 13 Tage später zog Lotti ein, und Ende Februar starb dann auch Uschi… ich hätte gedacht, daß mich diese Zeit mehr mitnehmen würde, grade die Weihnachtstage als das Sterben anfing.. aber es ist anders, diesmal ist es friedlich, nochmal ein Abschied… und ich freue mich auf ein neues Jahr, eines, in dem indem nicht meine beiden Hunde starben. Lotti ist inzwischen meine rechte Hand geworden, ich hätte nicht gedacht, daß nochmal ein Hund diesen Platz einnehmen könnte und es doch ganz anders ist. Aber es ist gut, auch wenn ein Teil immer fehlen wird.

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