Kalte Schnauze – Hundeblog

Zeeland: Ein verlängertes Oktober-Wochenende auf der Insel Schouwen-Duiveland

Ich hatte Meerweh. Ganz schreckliches. Gefühlt fuhren alle um mich herum im September an die See. Auch die sozialen Netzwerke waren voll mit Fotos von Hunden am Strand, die durch die Wellen tobten oder im Sand buddelten. Dass ich wie im vergangenen Jahr über meinem Geburtstag im Oktober an der Ostsee sein würde, war zeitlich nicht drin. Allein schon wegen der weiten Anfahrt von mehr als 600 Kilometern.

Zurück zu unseren Anfängen an der niederländischen Nordsee

Zum Glück ist die Holländische Nordseeküste nicht weit entfernt. Und Holland geht immer. Mich zog es ins etwa 230 Kilometer entfernte Zeeland – das Land der Inseln. Oder auch das Land der Strände genannt. Warum? Weil Zeeland mitten im Meer liegt und über 650 Kilometer Küstenlinie verfügt. Früher bestand Zeeland aus mindestens zwölf Inseln. Einige von ihnen sind untergangenen, andere wurden zum Teil durch Polder miteinander verbunden. Heute gibt es noch sechs Inseln bzw. Halbinseln – die unbewohnten außenvorgelassen: Schouwen-Duiveland (Insel), Noord-Beveland (Insel), Walcheren (Halbinsel), Zuid-Beveland (Halbinsel), Tholen (Halbinsel) und Sint Philipsland (Halbinsel).

Schouwen-Duiveland kannte ich bereits durch unsere vielen Campingausflüge nach Scharendjike oder Ellemeet mit der Hundetruppe. Diesmal wollte ich unbedingt die Halbinsel Walcheren kennenlernen. Neben Middelburg und Vlissingen sind Zoutelande, Westkapelle oder Domburg die bekanntesten Orte. Vor allem uns Links-Niederrheiner zieht es dort regelmäßig hin, weil’s so schnell und einfach zu erreichen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dort Bekannten, Arbeitskollegen, Nachbarn oder Freunden aus der Heimat zu begegnen, ist dort sehr hoch.

Und genau diese Beliebtheit machte es mir schwer. Da ich im Oktober auf keinen Fall auf einem Campingplatz zelten wollte, suchte ich nach einem schönen kleinen Apartment für Cabo und mich. Doch leider war alles, was mit Hund infrage kam, schon ausgebucht. Überall bekam ich eine sehr freundliche Antwort, dass das Apartment mit Hund schon belegt sei, man sich aber freue, wenn ich mich zu einem späteren Zeitpunkt noch mal melden würde.

Über das Portal Traum-Ferienwohnungen.de stieß ich schließlich auf ein wunderschönes Chalet, das mich sofort ansprach. Der Preis war dafür, dass ich so kurzfristig etwas suchte, auch in Ordnung. Sogar der Zeitraum Anfang Oktober passte. Ich war so angetan, dass ich sofort die Seite des Anbieters ansteuerte: Buitenplaats Oudendijke. Und damit landete ich doch wieder auf der Insel Schouwen-Duiveland. Genauer gesagt in Ellemeet. Dort habe ich mit Cabo meine ersten Nordseeerfahrungen in den Niederlanden gesammelt. Das erste Mal sogar noch ohne Zelt.

Nach ein paar kurzen Mails hatte ich für den Knödel und mich Chalet Nummer 62 für vier Übernachtungen ausgesucht und fest gebucht. 35 Quadratmeter, fünf (!) Betten, Bad, Küche, Terrasse, WLAN, Sat-TV und sonstigem Schnickschnack. Die Kommunikation lief von Anfang bis Ende reibungslos. Da gab’s nichts zu beanstanden. Ich freute mich so sehr darauf, endlich mein Meerweh heilen zu können.

Chalet Nr. 62 – nicht eingezäunt. Es gibt aber Chalets mit eingezäunten Grundstücken, wo auch Hunde willkommen sind. Einfach mal fragen.

Vier Tage Auszeit, die mehr wert waren als zwei Wochen Urlaub

In den Tag hineinleben: Das haben Cabo und ich gemacht. Wir haben es gemütlich angehen lassen, ausgiebig gefrühstückt, Strandspaziergänge gemacht, gegessen und uns Zeit füreinander genommen. Selten waren Cabo und ich so schnell entspannt.

Wir zwei sind in Renesse gewesen, haben gebummelt, sind in gefühlt jedes Geschäft gegangen und haben doch nichts gekauft. Aber es war großartig. Nur wir beide.

Chillen stand täglich auf dem Programm. Bereits nach zwei Tagen habe ich Cabo nicht mehr auf der Terrasse angebunden. Für ihn war klar, dass er bei mir bleibt, obwohl das Grundstück nicht eingezäunt war.

Die Sonnenauf- und untergänge waren auf dem Buitenplaats Oudendijke immer besonders schön.

Unser schönster Ausflug führte uns nach Westenschouwen bei Burgh-Haamstede. Dort gibt es ein wunderschönes Waldgebiet, das ich vor Jahren mal mit Cabo und der Hundetruppe kennengelernt, aber kaum noch Erinnerungen daran hatte. Ich stellte mir vor, dass es dort ein wenig wie am Darß sein würde, wo Meer und Wald aufeinandertreffen. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz am A. van de Weijdeweg stellte ich mein Auto ab, zahlte für vier Stunden und ging mit Cabo los. Wie schon die Tage zu vor hatte ich keinen Plan, wo wir langlaufen wollten. Mein Ziel: Wald im Rücken, die Nordsee vor uns. Ich fotografierte eine Übersicht der Wanderwege am Eingang des eingezäunten Waldgebietes ab und ging mit Cabo los. Zur Sicherheit ließ ich die Wanderapp Komoot mitlaufen. Wie sich herausstellte, eine sehr gute Idee. Denn dieser Wald ist voller Wege. Ob barrierefrei, für Radfahrer, Wanderer, Kinderwagen oder Spaziergänger. Ganz ehrlich, ohne Komoot hätte ich mich in dem Wirrwarr von Wegen total verlaufen und niemals an die Nordsee gefunden.

Doch auf einmal lag sie direkt vor uns – zwischen den Dünen. Still und doch so prachtvoll. Mir verschlägt es selten die Sprache. Aber die Schönheit der Natur dort hat mich beeindruckt. Ich habe etliche Fotos gemacht, sie alle geben nur einen Bruchteil von diesem wunderbaren Fleckchen Natur wieder. Irgendwann habe ich die Kamera weggesteckt und das Bild einfach auf mich wirken lassen. Ich glaube auch Cabo hat die Magie dieses Ortes gespürt.

Wir haben uns Zeit genommen. Die Momente in uns aufgenommen. Den Sand unter den Füßen und Pfoten, das angenehme Wasser der Nordsee, der Blick auf Neeltje Jans, auf die Menschen, die mit uns am Strand waren. In diesem Moment habe ich pures Glück empfunden.

Ich weiß gar nicht, wie lange wir unterwegs und wann wir wieder am Auto waren. Auf jeden Fall habe ich kein Knöllchen bekommen. Dieser Nachmittag in Westenschouwen war einfach perfekt. Wie die gesamten vier Tage, die Cabo und ich in und um Ellemeet verbracht haben.

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass dieser Kurzurlaub für Cabo und mich die letzte Reise sein würde

Nur drei Wochen später ist mein Seelenhund verstorben. Vollkommen plötzlich und brutal wurde er aus seinem und meinem Leben gerissen. Umso dankbarer bin ich, dass wir diese wunderbaren Tage auf Schouwen-Duiveland zusammen erlebten. Sie gaben mir so viel, weil ich die Zeit mit Cabo ganz intensiv nutzte und wahrnahm. Ich werde wieder dort hinfahren, wenn mich das Meerweh plagt. Und Cabo wird dabei sein – in meinem Herzen. IMMER!

Cabo: Für immer in meinem Herzen.

3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Was für ein schöner Bericht, liebe Silvana. Besonders die Beschreibung eures Tages am Strand von Westenschouwen hat mich besonders gerührt und mitgerissen. Das muss so wunderbar gewesen sein! Ich freue mich sehr für dich, dass du diesen Urlaub mit Cabo so genossen hast. Ich finde, die Fotos von Cabo haben eine ganz besondere Intensität und man spürt eure tiefe Verbundenheit, zumindest empfinde ich es so. Ganz liebe Grüße von Andrea
    P.S.: Eine Frage blieb allerdings offen: Wie haben 5 Betten in ein 35 qm großes Chalet gepasst 😉 ??

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