Kalte Schnauze – Hundeblog

Das Bergische: Wandern auf den Spuren von Rittern, Zwergen und Steinhauern

Neuland Bergisches Land. Obwohl ich nur etwas mehr als eine Autostunde entfernt von dieser Region wohne, habe ich ihr nie große Beachtung geschenkt. Durch meine Ausbildung zur Verlagskauffrau bei der Rheinischen Post wusste ich, dass das Bergische Land zum Verbreitungsgebiet der Zeitung gehört und die Ausgabe „Bergische Morgenpost“ heißt. Und dass die Redaktionen etwa in Hückeswagen oder Radevormwald bei den Auszubildenden und Journalistenschülern nicht sehr beliebt waren, weil sie so weit ab vom Schuss und nicht sonderlich mondän sind wie die Redaktion in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Ihr könnt es vielleicht zwischen den Zeilen lesen: Das Bergische Land war für mich immer ein weißer Fleck auf der Landkarte.

So ein Quatsch! Das weiß ich heute. Vor allem weil ich nun Regionen und Orte nach den Wandermöglichkeiten beurteile. Und so wird die Mittelgebirgslandschaft, die sich östlich von Köln erhebt, nicht umsonst „ Das Bergische Wanderland“ genannt. Neben den beiden zertifizierten Fernwanderwegen „Bergischer Weg“ (262 km) und „Bergischer Panoramasteig“ (246 km) gibt es mit 24 Bergischen Streifzügen (4 bis 16 km) abwechslungsreiche Thementouren, auf denen sich das Bergisches Land zu Fuß entdecken lässt (Quelle: www.bergisches-wanderland.de). Einen dieser Streifzüge stelle ich euch gleich genauer vor: den Steinhauerpfad. Er ist Nummer 8 von 24, hat eine Länge von 6,2 Kilometer und befindet sich in der Gemeinde Lindlar im Oberbergischen. Lindlar selbst wartet mit sieben eigenen themenbezogenen Rundwanderwegen auf.

  • Sülzbahnsteig (11 km)
  • L’Ommer Jon! (6,5 km)
  • Liederweg (3,8 km)
  • Ortsrundgang durch Lindlar (3,6 km – barrierefrei)
  • Kulturlandschaftsweg (12 km)
  • Zeitreise (11 km)
  • Sagenweg (14 km)

Den Sagenweg im Ortsteil Frielingsdorf werdet ihr gleich ebenfalls ein bisschen besser kennenlernen. Sowohl diesen als auch den Steinhauerpfad sind wir in abgewandelter Form gewandert. Den Sagenweg unfreiwillig und den Steinhauerpfad ganz bewusst.

Der Sagenweg – auf den Spuren von Rittern und Zwergen

Wegemarkierung des Sagenwegs in Lindlar.

Der Sagenweg wurde uns von Petra Baldsiefen, Betreiberin des Campingparks im Bergischen Land, empfohlen, wo meine Freunde, die Hunde und ich für ein verlängertes Wochenende über Fronleichnam waren. Sie verriet uns die schönsten Stellen des 14 Kilometer langen Rundweges und sagte, dass der Teil durch den Ort Frielingsdorf weniger spannend sei.

Weil die Tage zuvor unglaublich schwül waren und wir eine Hundedame von 13 Jahren dabei hatten, die nicht mehr jeden Tag ausgiebig mit uns mitwandern kann, entschlossen wir uns dazu, den Sagenweg nur zu einem Teil zu laufen und die Strecke durch Frielingsdorf komplett zu streichen. Wir bevorzugten die Wege durch den Wald, die uns an die sagenhaften Stellen führten, die der Rundtour ihren Namen verliehen.

Bauernhof Gut Eibach – Frielingsdorf -Lindlar

Gestartet sind wir vom Bauernhof „Gut Eibach“. Der Landwirt hatte nach Absprache nichts dagegen, dass wir an seinem Grundstück das Auto abstellten. Sehr freundlich! Direkt neben dem Bauernhof befindet sich das erste Highlight der Tour: die Ruine Eibach. Ein Relikt einer Wasserburg aus dem Jahr 1356. An solchen alten Mauern geht meine Fantasie immer mit mir durch. Ich frage mich, wie es sich wohl auf der Burg lebte, wer dort zu Hause war und was die Bewohner zu erzählen hätten, wenn sie noch leben würden. Es wird ihr Geheimnis bleiben.

Ruine Eibach in Frielingsdorf – Lindlar -Sagenweg

Vom Gut Eibach führte uns der Weg durch die Hangwälder des Leppetals mit schönen Ausblicken und einem ordentlichen Anstieg, bevor wir zum Schloss Gimborn gelangten. Das Wasserschloss wurde 1273 von dem Grafen von Berg an den Grafen von der Mark verpfändet. Heute ist es im Besitz der Freiherren von Fürstenberg zu Gimborn. Das Wasserschloss mit Hotelbetrieb ist in einem sehr guten Zustand. Das Restaurant wirbt mit einer innovativen und ideenreichen Küche mit regionaler und mediterraner Ausrichtung. Schloss Gimborn ist vor allem eine beliebte Hochzeitslocation, wo Fotografen aus dem Vollen schöpfen können. Auch vor meiner kleinen Olympus machte das Wasserschloss eine gute Figur.

Schloss Gimborn – Oberbergisches -Lindlar

Tja, und dann verließen sie uns. Wir waren so vom Zauber des Schlosses gefangen, dass wir die Wegekennzeichnung aus dem Augen verloren und prompt einen falschen Weg einschlugen. Bemerkt haben wir es viel zu spät. Gewundert hatten wir uns schon, warum die gute Markierung auf einmal zu wünschen übrig ließ.

Dummerweise hatten wir uns den GPS-Track vorher nicht aufs Handy geladen, sodass wir mit Wanderkarte und Wander-App Komoot einen eigenen Weg finden mussten, um wieder auf den Sagenweg zu kommen. Was Komoot jedoch nicht wusste, war, dass die geeigneten Wege eigentlich aufgrund von Waldarbeiten und einem Teppich aus Fichtenabschnitten unpassierbar waren. Es nützte aber alles nichts, wir mussten da durch, weil umkehren auch keine Alternative für uns war. Und die Hunde hatten großen Spaß an diesem Abenteuer. Selbst Hundedame Leika war mit ihren 13 Jahren Feuer und Flamme.

20 abgesammelte Zecken und mindestens eine halbe Stunde später waren wir wieder „on Track“ auf dem Sagenweg und gingen am Forsthaus Kümmel vorbei – einem mit dicken Spinnenweben eingezogenen, alten Haus mit dunkler Holzverkleidung. Gruselig. Am Wegekreuz des St.-Maternus-Pilgerweges von Marienheide nach Köln machten wir Pause. Das Kraxeln über die dichten Fichtenabschnitte hatte uns doch einige Kraft gekostet, so lustig es auch in dem Moment war.

An den Hängen des Steinbergs entschieden wir uns für eine Abkürzung des Sagenweges. Den höchsten Punkt Lindlars mit 376 Metern ließen wir aus und folgten einem zugewachsenen Pfad, den wir ein ums andere Mal in gebückter Haltung passierten. Die Hunde fanden das wie immer großartig. Für die war der Sagenweg ein einziges großes Abenteuer.

Sagenweg – Lindlar – Bergisches Land

Trotz unserer gewählten Abkürzung kamen wir an der sagenumwobenen, mittelalterlichen Burgruine Neuenberg vorbei. Sie wurde 1433 erstmals urkundlich erwähnt und diente eine Zeit lang dem ehemaligen Amt Steinbach als Verwaltungssitz.

Ruine Neuenberg – Sagenweg – Lindlar -Bergisches Land

Die Entourage – Sagenweg – Lindlar – Bergisches Land

Über schmale Waldwege führte uns der Sagenweg zum Eingang eine Kalksandsteinhöhle, die auch Zwergenhöhle genannt wird. Der Legende nach lebten in dieser Höhle Zwerge, die der Burgfrau von Neuenberg einst bei einem Streit zwischen ihrem Gatten und dem Ritter von Eibach behilflich waren. Nach einer großen Enttäuschung über einen „menschlichen Nachbarn“ sollen die Zwerge die Höhle verlassen haben und kehrten nie wieder zurück (Quelle: www.lindlar-touristik.de).

Die Zwergenhöhle: Sagenweg – Lindlar – Bergisches Land

Durch ein kleines Stück des Ortsteils Scheel ging es am Scheelbach vorbei zurück zu unserem Start- und Zielpunkt am Gut Eibach.

Obwohl wir ja eigentlich keine 14 Kilometer wandern wollten, hatten wir durchs Verlaufen immerhin knapp 10 Kilometer auf dem Tacho. Das reichte dann auch vollkommen. Den Track könnt ihr bei Komoot einsehen.

Wer die Rundtour mit Hunden wandert, sollte immer ausreichend Wasser dabei haben. Weil der Weg hauptsächlich durch Wälder oder am Waldrand entlang führt, ist er auch nach meinem Empfinden und in unserer abgewandelten Form zum Wandern während der Sommermonate geeignet.

Der Steinhauerpfad – über das Leben und die Leiden der Steinhauer

Der Steinhauerpfad – Bergische Streifzüge – Nummer 8 von 24

Wie schon den Sagenweg zuvor haben wir auch den Steinhauerpfad abgekürzt. Meine Freunde, die schon öfter im Bergischen Land waren, kannten ihn schon und wollten mir nur den geschichtsträchtigen Teil dieses Themenweges zeigen, der absolut lohnenswert ist.

Auf dem Steinhauerpfad wird auf acht Informationstafeln sowie an zwei Audiostationen, an denen man kurbeln muss, die Entstehung der berühmten Lindlarer Grauwacke, deren geologische Bedeutung, das Leben der Steinhauer und die Gefahren bei der Arbeit im Steinbruch erklärt. Lindlar bezeichnet sich gern als steinreich, was im wortwörtlichen Sinn auch stimmt. Zwar haben die Menschen dort nicht mehr als anderswo verdient, jedoch ist der Ort durch die Grauwacke, die in den Steinbrüchen abgebaut wird und weltweit gefragt ist, bekannt geworden.

Oben auf dem Brungerst erhält der Wanderer Einblicke in verlassene Steinbrüche vergangener Zeiten und kann ebenso Steinbrüche durchlaufen, die noch heute in Betrieb sind.

Relikt eines alten Steinbruchs auf dem Steinhauerpfad im Bergischen Land. Damit meine ich nicht Stephan und Cabo.

Auch wenn ich den Steinhauerpfad textlich etwas stiefmütterlich behandelt habe im Vergleich zum Sagenweg, so ist er nicht minder sehens- bzw. empfehlenswert. Es ist beeindruckend, vor Augen geführt zu bekommen, wie hart das Leben der Männer im Steinbruch war, wie schwer die Arbeit und wie schmächtig die Arbeiter. Eine gewisse Ehrfurcht macht sich auf diesem Themenweg breit. Eine ähnliche habe ich damals im Flößermuseum im uckermärkischen Lychen für die Flößer empfunden. Auch sie haben wie die Steinhauer Unmenschliches geleistet.

Fazit

Für mich steht fest, dass ich das Bergische Wanderland noch mehrmals besuchen will. Ich habe ja nur einen Bruchteil von dem gesehen, was es zu bieten hat. Das, was ich erleben konnte, hat mir Lust auf mehr gemacht.

Vielleicht werde ich bei der bevorstehenden TourNatur in Düsseldorf vom 1. bis 3. September noch einmal den Stand der Wanderarena des Bergischen aufsuchen und mich mit weiterem Infomaterial versorgen lassen. Einiges hatte ich schon bei meinem Messebesuch 2015 mitgenommen. Das Kartenmaterial von damals hat mir auch jetzt gute Dienste geleistet.

Wenn ihr an weiteren Wandertouren im Bergischen Land sowie Erfahrungsberichten mit vielen Fotos interessiert seid, dann kann ich euch den Blog „Fotografischen Reisen und Wanderungen“ von Elke Bitzer ans Herz legen. Sie lebt in Leverkusen und hat es ins Bergische nicht so weit und ist dort entsprechend öfter unterwegs.

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